Zwei Sonderregelungen für Red-Bull-Projekte

3. September 2008, 19:54
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Anlassgesetze für Salzburger Fußballverein - Im Mittelpunkt stehen : Die geplante Fußballakademie und das Stadion Kleßheim in Wals

Salzburg - Das Engagement des Getränkekonzerns Red Bull im Österreichischen Profifußball steht sportlich derzeit unter keinem besonders guten Stern. Die Salzburger Bullen bleiben am Spielfeld weit hinter den Erwartungen zurück. Vergangenes Wochenende ist der millionenschwere Verein sogar gegen Austria Kärnten flügellahm abgestürzt.

In Salzburg selbst werden neben den sportlichen Misserfolgen derzeit aber vor allem die baulichen Expansionspläne debattiert. Im Mittelpunkt dabei: Die geplante Fußballakademie und das Stadion Kleßheim in Wals.

Wie berichtet, plant der Profiklub am Gelände der ehemaligen Lieferinger Trabrennbahn im Landschafts- und Grünlandschutzgebiet die Errichtung eines eigenen Schulungszentrums für Nachwuchskicker. SPÖ und ÖVP wollen den bestehenden Grünlandschutz mit einer eigenen "Lex Red Bull" umgehen.

Die Kritiker des Projektes im Norden der Landeshauptstadt befürchten unter anderem, die Schule könnte sich zu einem eigenen Veranstaltungszentrum mit allen infrastrukturellen Folgeerscheinungen entwickeln.

Turniere und Events


Es liege "ja wohl auf der Hand, dass sieben oder acht Fußballfelder und eine überdachte Fußballhalle nicht nur zur Ausbildung von 70 angehenden Profi-Fußballern genützt werden", meint etwa der Sprecher der Salzburger Verkehrsplattform Peter Haibach. Er geht davon aus, dass hier Turniere, internationale Trainingscamps und diverse Events stattfinden werden. Schließlich müsse sich das "irgendwann rechnen".

Als Beispiel für die Berechtigung seines Misstrauens führt der Sprecher der Verkehrsplattform das Stadion in Wals an. Dieses wird - entgegen von der Landespolitik gemachte Zusage - nicht mehr auf die ursprüngliche Größe von 18.500 Plätzen zurückgebaut.

Parkplatzchaos


Das für die EURO errichtete Provisorium von 30.000 Plätzen bleibt. Und das, obwohl es bei weitem nicht genügend der gesetzlich vorgeschriebenen Parkplätze gibt.

Als etwa Mitte August Teile der Zusatzränge erstmals für ein Red-Bull-Ligaspiel geöffnet worden waren, war das Chaos perfekt: Tausende Autos verparkten Einfahrten, pflügten Äcker von Gemüsebauern um, sogar ein Brunnenschutzgebiet wurde zum Parkplatz.

Neues Verkehrskonzept

Saniert werden soll die Verkehrsmisere nun aber nicht etwa durch ein neues Verkehrskonzept oder neue Parkplätze, sondern durch eine Gesetzesänderung: Um genügend Parkplätze für die 30.000 Besucher vorweisen zu können, wird im Bautechnikgesetz eine Sonderregelung für das Stadion geschaffen. Dieses "Lex Stadion" wäre - kommt die Fußballakademie im Grünland - schon die zweite Sonderregelung für Red Bull.

Für das Image von Red Bull ist das alles wenig förderlich. Nicht nur die FPÖ wettert gegen den "Kniefall vor dem Großkapital". Auch gewerbliche Anrainer wie der Spanplattenerzeuger Kaindl oder der Spar-Konzern protestieren. (Thomas Neuhold/ DER STANDARD Printausgabe 4.9.2008)

 

 

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