Untersuchungsbericht: IRA-Terrorstrukturen aufgelöst

5. September 2008, 08:51
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Unabhängige Kommission: Nordirische Untergrundbewegung nicht mehr aktiv

Belfast/London - Die Ära der Gewalt der einstigen nordirischen Untergrundbewegung IRA ist nach Einschätzung einer unabhängigen Untersuchungskommission beendet. Die terroristischen Strukturen seien nicht mehr brauchbar. Auch ohne formelle Auflösungserklärung sei der Armeerat, der die militärischen Entscheidungen der IRA bestimmt hatte, nicht mehr aktiv. Die IRA sei nicht mehr in der Lage, den Kampf weiterzuführen, heißt es in dem am Mittwoch vorgestellten Bericht der Kommission. Das Papier war auf Bitten der britischen und irischen Regierungen erstellt worden.

"Dies ist ein wichtiger Tag im politischen Prozess Nordirlands", sagte der britische Nordirlandminister Shaun Woodward. Mit dem Bericht sei die IRA als ein diplomatisches Hindernis weggefallen. Der Bericht zeige, dass die Irisch-Republikanische Armee nicht nur verschwunden sei, sondern dass sie auch nicht mehr zurückkommen werde, sagte der irische Justizminister Dermot Ahern.

Die vierköpfige Kommission, der frühere Politiker aus Irland und Nordirland sowie Veteranen der britischen Anti-Terror-Polizei und des amerikanischen Geheimdienstes CIA angehören, hatte den 20-seitigen Bericht der britischen und der irischen Regierung bereits am Montag zugeleitet, er wurde aber erst jetzt öffentlich gemacht.

Die IRA hatte im Juli 2005 die endgültige Einstellung ihres bewaffneten Kampfes um die Abspaltung Nordirlands von Großbritannien sowie ihre Auflösung erklärt. Die weitere Existenz des Armee-Rats hatte aber zu Spannungen in der gemeinsamen Regierung aus protestantischer Unionistenpartei DUP und der pro-irischen Sinn Fein Partei geführt.

Die DUP sah den politischen Fortschritt durch das Weiterbestehen des siebenköpfigen Gremiums gefährdet und pochte auf dessen Auflösung. Dagegen erwartet die Untersuchungskommission nicht, dass die Abschaffung des Rates formell verkündet wird. Die Spitzen von DUP und Sinn Fein wollen sich in den nächsten Tagen zu Gesprächen treffen. Strittige Punkte in der gemeinsam Regierung betreffen Fragen der Justiz, eine Bildungsreform oder die Rolle der irischen Sprache. (APA/dpa/AP)

 

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