Italien will "wildes Marketing" verbieten

3. September 2008, 18:25
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Ungebetene Telefonanrufe, mit denen Gesellschaften ihre Produkte anbieten, sollen es künftig nicht mehr geben

Italien will sogenanntes "wildes Marketing" verbieten.
Ungebetene Telefonanrufe, mit denen Gesellschaften ihre Produkte
anbieten, sollen künftig verboten werden. Hinzu werden Unternehmen
Schranken bei der Verwendung der persönlichen Daten gesetzt, die
Millionen von Kunden betreffen. Die Maßnahme soll auch für
Unternehmen wie die Telekom-Gruppen Wind, Fastweb, Tiscali und den
Bezahlsender Sky Italia gelten, die von spezialisierten
Gesellschaften Daten-Archive erworben haben, um Kunden zu
kontaktieren und über Call-Center ihre Produkte zu verkaufen.

"Wenn jemand in unsere Wohnung will, muss er vorher anklopfen.
Wenn uns jemand ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen will,
braucht er zuvor unsere Zustimmung, um uns anrufen zu dürfen", sagte
der Garant für die Privatsphäre, Mauro Paissan, Verfasser des
Gesetzprojekts zur Bekämpfung des ungebetenen Marketings. Die
Maßnahmen sollen ergriffen werden, nachdem die Gesellschaften, die
Daten-Archive gesammelt hatten, auf Anzeigen wütender Kunden von der
Steuerpolizei durchsucht worden waren.

Millionen Telefonnummern und Adressen

Laut den Kunden waren mehrere Telefonnummern und Adressen
gesammelt worden, ohne dass die Interessenten die Genehmigung zur
Verwendung der Privatdaten gegeben hatten. Eine der Gesellschaften,
die ins Visier des Garanten geraten ist, bot auf ihrer Webseite
Informationen über 15 Millionen italienische Haushalte an, die nach
Einkommen und Lebensstil geordnet waren, ohne dass die Interessenten
über die Veröffentlichung ihrer persönlichen Daten informiert waren.
Die Unternehmen und die Telefongesellschaften, die die Daten-Archive
zum Zweck des telefonischen Marketings (dem sogenannten Teleselling)
nutzten, hatten ihrerseits nicht festgestellt, ob die Kunden
freiwillig ihre Daten geliefert hatten, wie die Regeln zum
Datenschutz vorsehen. (APA)

 

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