Iranischer Luftraum bleibt für USA gesperrt

23. Februar 2003, 20:18
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Auch im Fall einer neuen UN-Resolution - Teheran rechnet mit Flüchtlingsstrom

Der iranische Luftraum bleibt einer jüngsten Erklärung von Verteidigungsminister Admiral Ali Shamkhani zufolge weiterhin für die USA gesperrt. Nach Shamkhanis Worten wird Iran auch im Falle einer neuen Resolution des UN-Sicherheitsrats den Amerikanern nicht erlauben, iranisches Hoheitsgebiet zu überfliegen. Darüber lasse Teheran keinesfalls mit sich reden, bekräftigte der Minister in einem Interview.

Kurz vorher hatte in einer Ansprache vor der UNO in New York der iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mohammad Djawad Sarif, die französische Haltung im Irakkonflikt - keine neue Resolution, mehr Zeit für die Waffeninspektoren - unterstützt.

Diese schwierige Position der iranischen Führung in der Irakfrage spiegelt sich in der jüngsten innenpolitischen Entwicklung wider. Nach einem ohne Vorankündigung zustande gekommenen Meinungsaustausch zwischen dem iranischen und dem irakischen Außenminister vergangene Woche in Teheran haben mehr als hundert iranische Abgeordnete Außenminister Kamal Kharasi mit einer parlamentarischen Untersuchung gedroht und seine Absetzung verlangt. "Die iranische Nation wartet sehnsüchtig auf die Absetzung Saddam Husseins und kann nicht akzeptieren, dass ein Vertreter dieses Regimes, das am Tod Tausender Iraner schuldig ist, in Teheran mit offenen Armen empfangen wird", hieß es in dem Brief, der Parlamentspräsident Mehdi Karrubi übergeben wurde. Obwohl der Brief im Parlament nicht verlesen wurde, veröffentlichten fast alle iranischen Zeitungen den Inhalt, die konservativen Blätter an prominenter Stelle.

Unterdessen hat der iranische Rote Halbmond an der Grenze zum Irak neue medizinische Stationen eingerichtet. Nach den Worten des stellvertretenden Chefs des iranischen Roten Halbmonds, Mostafa Mohaghegh, rechnet Iran mit mehreren Tausend Flüchtlingen vor allem im Südabschnitt der Grenze. Sollte in kurzer Zeit ein großer Flüchtlingsstrom die iranische Grenze erreichen, könnte das Land die Situation nur mithilfe des internationalen Roten Kreuzes bewältigen, meinte Mohaghegh.

Iran hat seit vergangenem Donnerstag seine Grenzen zum Irak für Pilger gesperrt und die noch im Irak weilenden iranischen Wallfahrer aufgefordert, das Land so bald wie möglich zu verlassen. Die Grenze zum irakischen Kurdengebiet im Norden ist aber weiterhin offen.(DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2003)

Amir Loghmany aus Teheran
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