"Die Verwaltung des Irak sollte Sache der UNO sein"

23. Februar 2003, 20:15
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Iraks Ex-Außenminister Adnan al-Pachachi bestreitet im STANDARD-Interview, dass ihm die Amerikaner vorige Woche ein konkretes Angebot unterbreitet haben

Abu Dhabi/Wien - Es ist schon auffällig, wie milde Adnan al-Pachachi plötzlich mit den anderen Figuren der irakischen Exilopposition umgeht und jedes harte Wort auch gegen die Lobby im US-Verteidigungsministerium, die Ahmed Chalabi vom Irakischen Nationalkongress (INC) stützt, vermeidet. Vorige Woche hat Pachachi in Abu Dhabi Besuch von Zalmay Khalilzad, dem Irak-Sonderbeauftragten George Bushs, erhalten.

STANDARD: Viele sehen Sie als Präsident des Irak nach dem Krieg. Haben Sie das mit Khalilzad besprochen?

Pachachi: Ich habe immer gesagt, dass ich keine Position anstrebe, aber wenn der Irak wünscht, dass ich - in welcher Rolle auch immer - diene, bin ich dazu bereit. Aber ich glaube nicht an eine personengebundene Führung, der Irak braucht während der schwierigen Übergangsperiode nach dem Krieg eine kollektive Führung, die alle Sektoren der Gesellschaft repräsentiert.

Mit Zalmay Khalilzad habe ich nur einen Meinungsaustausch gehabt, es ist nicht so, wie man schreibt, dass er mir einen Posten angeboten hat. Er hat mir die Pläne der US-Regierung erklärt, und ich ihm meine Vorstellungen darüber, was getan werden sollte.

STANDARD: Die USA planen offensichtlich eine militärische Übergangsverwaltung.

Pachachi: Das halte ich für einen Fehler. Das sollte Sache der UNO sein, wenn nötig, einer UN-Truppe - aber von Anfang an in Kooperation mit einer zivilen irakischen Administration. Es ist klar, es wird eine US-Militärpräsenz geben, die Amerikaner haben es ja gesagt: Das Hauptziel der Armee nach dem Krieg ist sicherzustellen, dass alle Massenvernichtungswaffen gefunden werden und dafür zu sorgen, dass kein Nachbarland in Versuchung kommt, im Irak zu intervenieren.

Aber den Irakern sollte es möglich sein, ihr Land selbst zu verwalten, die sozialen Aufgaben wie Gesundheit, Schulen und Ähnliches müssen in den Händen der Iraker sein. Ich hoffe, es gibt gleich eine UNO-Präsenz im Irak, die nach Konsultationen mit Irakern innerhalb und außerhalb des Irak eine zivile Verwaltung einrichtet. Sie haben jede Menge qualifizierte und erfahrene Leute, das ist ja nicht so wie in Afghanistan. Aber es handelt sich nur um eine Interimsregierung, die eine verfassungsgebende Versammlung einberuft, dann ein Verfassungsreferendum und später Wahlen ausschreibt.

STANDARD: Die USA haben sich strikt gegen die Bildung einer Exilregierung aussprochen.

Pachachi: Da hat Washington Recht: Den Irakern darf keine Regierung von außen aufgezwungen werden. Erst nachdem wir uns mit den Leuten im Irak beraten haben, sollten wir eine Regierung bilden.

STANDARD: Hat sich die US-Regierung von Ahmed Chalabi vom INC abgewandt?

Pachachi: Man sollte die Sache nicht dauernd an Personen festmachen. Chalabi und andere werden ihre Chance haben: Bei Wahlen wird man sehen, wie viel Unterstützung sie haben.

STANDARD: Sind Sie ganz sicher, dass der Krieg kommt? Und werden die Iraker kämpfen?

Pachachi: Er ist nur zu verhindern, wenn das Regime in Bagdad aufgibt. Ich glaube nicht, dass diese US-Regierung mit Saddam koexistieren kann. Wenn Saddam an der Macht bleibt, wäre das das Ende von Bushs Präsidentschaft. Es ist entweder Bush oder Saddam.

Was die Iraker tun werden, ist schwer zu sagen, aber sie sind erschöpft, nach Kriegen, Unterdrückung und zwölf Jahren Sanktionen. Und es ist so ein ungleicher Kampf, die Supermacht gegen ein verarmtes Dritte-Welt-Land. Ich glaube, die Iraker werden nicht für eine verlorene Sache ihr Leben opfern.(DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2003)

Das Gespräch führte Gudrun Harrer
  • Viele Exiliraker wünschen sich ihn als Präsidenten nach Saddam, und auch im Irak hat er, im Gegensatz zu den meisten anderen Oppositionellen, Anhänger - was ihn für die USA zur interessanten Integrationsfigur werden lässt: Adnan al-Pachachi, beinahe 80 Jahre alt, war Außenminister, als die Baath-Partei 1968 im Irak die Macht übernahm. Zuvor war der Völkerrechtler (Georgetown University) UN-Botschafter in New York, wo er sich als gestandener arabischer Nationalist gerierte. Pachachi lebt in den Vereinten Arabischen Emiraten und ist ein regelmäßiger Besucher der Festspiele in Salzburg.
    foto: epa/afpi/nasser younes

    Viele Exiliraker wünschen sich ihn als Präsidenten nach Saddam, und auch im Irak hat er, im Gegensatz zu den meisten anderen Oppositionellen, Anhänger - was ihn für die USA zur interessanten Integrationsfigur werden lässt: Adnan al-Pachachi, beinahe 80 Jahre alt, war Außenminister, als die Baath-Partei 1968 im Irak die Macht übernahm. Zuvor war der Völkerrechtler (Georgetown University) UN-Botschafter in New York, wo er sich als gestandener arabischer Nationalist gerierte. Pachachi lebt in den Vereinten Arabischen Emiraten und ist ein regelmäßiger Besucher der Festspiele in Salzburg.

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