Ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit

23. Februar 2003, 20:09
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Die britischen "Wüstenratten" sollen den US-Nachschub bei Basra sichern

Seitdem Saddam Hussein 1980 den Iran überfiel, herrscht in der überwiegend von Schiiten bewohnten Millionenstadt Basra Kriegszustand. Die Schifffahrt auf dem breiten, träge dahinfließenden Schatt al-Arab, dem Zusammenfluss von Euphrat und Tigris, war damals von Hunderten gestrandeter Handelsschiffe blockiert. Heute ist der Schiffsfriedhof geräumt.

Im April 1988 waren Saddams Soldaten beim Versuch der Wiedereinnahme der nahe gelegenen, strategisch wichtigen Halbinsel Fao, einem Tiefwasserhafen, in Massen verblutet. Zu Hilfe kamen dem verzweifelten Despoten die Amerikaner. Nachdem bei der Pilgerfahrt nach Mekka im Juli 1987 Ayatollah Khomeini einen Aufstand iranischer Pilger gegen das mit den USA verbündete saudische Herrscherhaus inszeniert hatte, begannen die USA den Irak massiv mit Waffen und mit Erkenntnissen ihrer Satellitenaufklärung zu unterstützen. Im April 1988, vier Monate vor Kriegsende, mussten die Iraner Fao verlassen.

In ein paar Wochen wird es wieder Krieg geben. Die Schiiten von Basra werden die Alliierten womöglich als Befreier vom Joch Saddam Husseins begrüßen. Doch viele andere Araber sehen dem Krieg mit Sorge entgegen - und halten diesmal Kuwait für den Aggressor. Am 2. August 1990 habe der Irak Kuwait angegriffen, nun aber stehe ein Angriff Kuwaits auf den Irak bevor, schrieb die Zeitung Al-Shark al-Awsat. Denn die Tatsache, dass Kuwait mehr als die Hälfte seines Territoriums den Alliierten zur Verfügung stelle, könne man nur als eine Kriegserklärung an den Irak deuten.

Der Angriffsplan steht schon fest. Während die Amerikaner an Basra vorbei nach Bagdad vorstoßen wollen, ist es Aufgabe der britischen "7. Bewaffneten Brigade", bekannt als die "Wüstenratten", Basra zu halten. Die Briten können dann einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit machen. Auf dem englischen Soldatenfriedhof liegen Kameraden begraben - etwa Seaman F. C. Smith. Als 31-Jähriger fiel der Matrose im Mai 1943 in Basra. Die Briten mussten sich damals eines irakischen Aufstandes erwehren, der von den Deutschen unterstützt wurde. Heute dürfen die britischen Smiths nur mehr den US-Nachschub sichern.(DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2003)

Heiko Flottau aus Basra
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