Adler sind gestrandet - Giftleger gesucht

23. Februar 2003, 19:12
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Der Gifttod eines streng geschützten Seeadlers im Burgenland erregt inzwischen nicht nur die Tierschützer

Frauenkirchen - Im Prinzip wäre es, sagt Jutta Jahrl vom WWF, ein Sache der Medien. Man möge doch eine Art Kampagne in die Welt setzen, in welcher es darum ginge, das Auslegen von Giftködern so ordentlich zu brandmarken, dass der oder die Giftmischer sich wenigstens genieren. Wenn sie schon nicht der gerechten Strafe anheimgestellt werden können.

Also dann: Vor rund anderthalb Wochen ist im burgenländischen Seewinkel ein Seeadler tot aufgefunden worden. Der mittlerweile Sechzehnte in den vergangenen Jahren, der 71. Greifvogel, wenn die Zählung stimmt, was niemand glaubt. Nicht jeder tote Vogel landet im Leichenschauhaus.

Der seltene Adler ist einer Überdosis des rasch wirkenden Nervengiftes Carbofuran, das unter dem Handelsnamen Furadan in Verkehr ist, erlegen. Ursprünglich angestellte Vermutungen, das arme Tier sei, weidwund, aus dem Ungarischen, wo das Zeug ohne Giftschein erhältlich ist, nach Österreich geflüchtet, zerstreut Jutta Jahrl: "Das Gift wirkt so schnell, wahrscheinlich ist der Vogel gar nicht mehr geflogen." Und auch die zweite Mutmaßung hat nichts Letales: "Die Schrotladung, die der 1997 in Estland geschlüpfte Adler abbekommen hatte, ist gut verheilt, sicher nicht die Todesursache."

Die läge vielmehr in einer gerade in Ostösterreich - "ein Niederwildgebiet" - weit verbreiteten Krankheit: dem Konkurrenzneid. Alles, so sieht man es auch bei der Exekutive, deute auf einen Jäger hin. Oder, wie Jutta Jahrl sagt, "auf einen Hundehasser". Immerhin lägen manche dieser Giftköder verdächtig nahe an Siedlungsgebieten. Wodurch auch Kinder gefährdet werden, was in juristischer Diktion eventuell eine Art "Gemeingefährdung" sein könnte.

Mitnichten, heißt es bei der Staatsanwaltschaft in Eisenstadt. So etwas wäre konstruiert. Denkbar aber wären "Tierquälerei" oder "Eingriff in fremdes Jagdrecht". Die Strafdrohung: kaum der Rede wert. Jedenfalls nicht in dem Zusammenhang, der an Burgenlands Stammtischen diskutiert wird. Was bleibt, wäre eine prangerartige Medienkampagne. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. 2. 2003)

WWF-Gifthotline:
0676/444 66 12

WWF Österreich
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