Titanen für eine bessere Heimatbörse

24. Februar 2003, 11:59
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Eine neue Initiative für die Wiener Börse läuft jetzt an

Wien - Mit einem gemeinsam zusammengetragenen Budget von rund einer Mio. Euro startet nun eine neuerliche Kampagne zur Belebung der Wiener Börse. Deren Vorstände, die Nationalbank, die Verstaalichtenholding ÖIAG, Emittenten und eine Reihe von Banken und börsennahen Institutionen wollen sich noch einmal gegen das mögliche Verschlucktwerden durch eine größere Börse aufbäumen. Der bankkreditlastige Mittelstand soll so an die heimische Börsenrampe gehievt werden. Die derzeit 7,5 Prozent österreichischen Aktionäre sollen sich bis 2006 dadurch verdoppeln, jährlich sollen zwei Mrd. Euro neue Emissionen platziert werden.

Die Infrastruktur an der Börse selbst ist kaum verbesserungswürdig: Die Segmentierung des Handels und die dort herrschenden Auflagen für Unternehmen sind europareif und wurden jüngst sogar vom großen deutschen Bruder kopiert, der Corporate-Governance-Kodex für lautere Unternehmensführung existiert und muss jetzt von den Firmen selbst angewandt werden. Fehlt also die Aktienkultur. An der will das neue Rettergremium arbeiten.

Staatlich geförderte Pensionsvorsorge

Ein wenig Hilfe vom Staat hat die Börse mit der neuen staatlich geförderten Pensionsvorsorge, die 40 Prozent der veranlagten Gelder an die Wiener Börse zwingt, schon erhalten. Berechnungen zufolge könnte dies ja der mit 30 Mrd. Euro kapitalisierten Kleinbörse schon jährlich fünf Prozent mehr Umsatz bringen.

Einige Banken, darunter die "Erste", haben auch nachgedacht und werden demnächst Gewinnschuldverschreibungen mit Kapitalgarantie für den Mittelstand an die Börse bringen.

"Schöne Zuflüsse" ausländischer institutioneller Investoren"

Dass all diese Anstrengungen von ausländischen Investoren nicht bloß als Schall und Rauch abgetan werden, zeichnet sich bereits ab: Fritz Erhart, Manager des erfolgreichsten Österreich-Fonds, sieht derzeit "schöne Zuflüsse" ausländischer institutioneller Investoren in seinen Fonds (CI Austria Stock). In der zweiten Februarwoche hat das Produkt vier Prozent Volumen auf über 85 Mio. Euro gewonnen - sehr ungewöhnlich für einen Aktienfonds in der gegenwärtigen Situation der Fondsbranche.

Attraktiv sei für Investoren in Wien derzeit, sagt Erhart zum STANDARD: das starke Osteuropageschäft der notierten Firmen, der Schwerpunkt auf konservative Werte auf dem Kurszettel, die mit fast drei Prozent ordentliche Dividendenrendite und der erwartete Schwung für den Handel aus der geförderten Pensionsvorsorge. Zusätzlich werde auch auf weitere Privatisierungsschritte der ÖIAG gesetzt.

Dass Erhart im Vorjahr die Messlatte ATX (plus 0,8 Prozent) schlagen konnte, lag an erfolgreichen Wetten in den Brauereien und in Mayr-Melnhof. Heuer sind die Index-Schwergewichte wieder seine Favoriten, Telekom, Erste Bank und OMV sind die größten Positionen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe, 24.02.2002)

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