Mohn-Familie will Bertelsmann-Aufsichtsräte benennen

23. Februar 2003, 17:51
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Ein Drittel soll direkt von Eignerfamilie nominiert werden

Beim Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann wird nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel überlegt, fünf der normalerweise 15 Aufsichtsräte unmittelbar von der Eignerfamilie Mohn benennen zu lassen. Nach einem internen Vorstands-Memorandum werde ein derartiges direktes Berufungsrecht von Mitgliedern des Aufsichtsrates durch die Familie zurzeit diskutiert. "Angelegenheiten von Aufsichtsrat und Gesellschaftern können von uns grundsätzlich nicht kommentiert werden", sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag zu dem Bericht auf Anfrage.

Diskussionen um künftige Machtverteilung

Wie der "Spiegel" weiter schreibt, schlage bereits jetzt die mächtige Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft, in der die Familie zurzeit vier von acht Posten besetzt, sowohl den Vorstandschef als auch den Aufsichtsratsvorsitzenden vor. Die Diskussionen um die künftige Machtverteilung in Gütersloh seien auch Hauptthema einer geheimen, monatlich tagenden "Fünferrunde" gewesen, die aus Reinhard und Liz Mohn, Vorstandschef Gunter Thielen, Finanzvorstand und Testamentsvollstrecker Siegfried Luther sowie Aufsichtsratschef Gerd Schulte-Hillen bestehe.

"Gefährlicher Schwenk"

Schulte-Hillen hatte sich zu Wochenbeginn im "Spiegel" kritisch zum Machtzuwachs der Familie geäußert (etat.at berichtete). Der Schwenk sei gefährlich, die Kritik habe das Management irritiert. "Wenn die Familie nun ein derart starkes Gewicht bekommen soll, wie Mohn es jetzt beabsichtigt, wird das Risiko von Fehlentscheidungen keineswegs kleiner." (APA/dpa)

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