US-Berater Perle: USA wollen keinen Militärgouverneur im Irak

24. Februar 2003, 13:21
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Spekulationen seien "unzutreffend und absurd" - Syrien könnte nächste Zielscheibe sein

London/Washington/Riad/Kuala Lumpur - Pentagon-Berater Richard Perle hat bestritten, dass die USA nach dem Sturz von Saddam Hussein den Irak einem amerikanischen Militärgouverneur unterstellen wollen. Dem britischen "Observer" sagte Perle am Sonntag, der Irak sei "ein guter Kandidat für eine demokratische Reform". Bagdad werde "nicht über Nacht Westminster" werden, aber im Exil gebe es Führer, die das Land in die Demokratie führen könnten. Spekulationen über einen Militärgouverneur seien "unzutreffend und absurd", sagte Perle. Nach kürzlichen Presseberichten denkt die US- Regierung daran, den Befehlshaber des Zentralkommandos, General Tommy Franks, für die Dauer von zwei Jahren als Militärbefehlshaber in Bagdad einzusetzen.

Perle wies auch Vermutungen zurück, die höhere Verwaltung des Irak könne nach dem Sturz Saddams im Amt bleiben. "Die Vorstellung, die USA würden einfach nur demselben Mob Befehle erteilen, der Saddam Hussein gedient hat, ist lächerlich." Die Politik der USA ziele darauf, so schnell wie möglich irakischen Staatsbürgern zur Macht zu verhelfen. Die Geheimdienste lägen falsch mit der Einschätzung, die irakische Opposition sei gespalten. Die Gruppen seien nicht mehr gespalten, als etwa die britische Labour-Partei oder die Konservativen.

Syrien könnte nächste Zielscheibe sein

Mit ihrem Vorgehen gegen das Regime des irakischen Staatschefs Saddam Hussein wollen die USA nach den Worten von Pentagon-Berater Richard Perle Reformen in der gesamten Nahost-Region einleiten. Er hoffe, dass der syrische Staatschef Bashar al Assad bald Reformen in Erwägung ziehe, sagte Perle in einem von der saudiarabischen Zeitung "Asharq al Awsat" (Sonntag-Ausgabe) veröffentlichten Interview, das am Montag auf dem Gipfel der Blockfreien in Kuala Lumpur für Aufsehen sorgte. Andernfalls werde sich Assad sagen müssen, dass er "die nächste Zielscheibe sein wird", so Perle.

Das "irakische Experiment" werde zum "Präludium für die Reformen in der Region", zitierte das Blatt den Vorsitzenden des Verteidigungspolitischen Rates, eines Konsultativorgans des US-Verteidigungsministeriums. Ein etwaiges Veto Frankreichs im UNO-Sicherheitsrat werde die USA von ihrem Vorhaben nicht abbringen können, betonte Perle. Dem französischen Präsidenten Jacques Chirac stehe es nicht zu, "die amerikanische Politik zu definieren". Kein amerikanischer Präsident werde jemals einem französischen Staatschef erlauben, den USA Richtlinien zu erteilen. Die US-Armee werden den Irak "für eine Übergangszeit" besetzen, "aber nicht zehn Jahre, wie manche behaupten". (APA/dpa)

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