Französische Moslems einigen sich auf gemeinsame Dachorganisation

23. Februar 2003, 17:10
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"Französischer Rat des moslemischen Kultes" wird im April gewählt - Innenminister Sarkozy an Verhandlungen beteiligt

Paris - Die Vertreter der verschiedenen islamischen Glaubensgemeinschaften in Frankreich haben sich am Sonntag (heute) auf die Errichtung einer gemeinsamen Dachorganisation geeinigt. Außerdem wurde beschlossen, vom 6. bis 13. April die Wahlen zum "Französischen Rat des moslemischen Kultes" (CFCM) abzuhalten, teilte das Innenministerium in Paris mit. An den Verhandlungen beteiligte sich auch Innenminister Nicolas Sarkozy (UMP), während Premier Jean-Pierre Raffarin (UMP) der Kommission Sonntagvormittag einen Besuch abstattete, hieß es weiter.

Im vergangenen Dezember hatte Sarkozy eine als "historisch" bezeichnete Einigung zwischen der Moschee von Paris, der nationalen Moslem-Vereinigung Frankreichs (FNMF) und der Union islamischer Organisationen Frankreichs (UOIF) erreicht, allerdings waren zahlreiche Detailfragen noch nicht abgeklärt worden. "Die Kommission hat in allen noch offenen Punkten eine Vereinbarung gefunden", hieß es am Sonntag aus dem Innenministerium.

Entwicklung eines liberalen Islams

In einem Interview für die Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" erklärte der Rektor der Pariser Moschee und künftige Präsident der Dachorganisation, Dadil Boubakeur, dass er die Verhandlungen etwas beschleunigt habe, "da sie zu lange zu dauern begannen". "Wir werden dem Minister (Nicolas Sarkozy, Anm.) dabei helfen, einen liberalen Islam zu entwickeln, denn wenn Frankreich heute den Islam akzeptiert, so müssen die Moslems auch Frankreich lieben", betonte Boubakeur weiter.

Sarkozy hatte die Errichtung des Dachverbandes unter staatlicher Aufsicht damit gerechtfertigt, dass das Image der Moslems in Frankreich gegenwärtig "nicht gut" sei. "Ein Teil der Bevölkerung fürchtet die Moslems und den Islam. Sie fragt auf manchmal ideologische Weise nach seiner Vereinbarkeit mit der Republik. Andererseits fühlen sich die Moslems durch die Sichtweise der anderen stigmatisiert. Die Realität ist allerdings, dass der Islam sehr wohl da ist", sagte der Innenminister am Freitag gegenüber der Tageszeitung "Liberation". In Frankreich leben knapp fünf Millionen Moslems.(APA)

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