Bagdad vor Einlenken im Raketenstreit

23. Februar 2003, 19:25
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Blix setzte Ultimatum bis 1. März für Verschrottung der unerlaubten Raketen vom Typ Samud 2

Bagdad/Washington - Im Irak begannen die UNO-Waffeninspekteure am Wochenende, eine Inventarliste der zu verschrottenden Raketen und Raketenbauteile zu erstellen. UN-Chefinspektor Hans Blix hatte dem Irak in einem Brief eine Frist bis zum 1. März gesetzt, um mit der Verschrottung zu beginnen. Die im Irak gefundenen Raketen vom Typ Al-Samud 2 überschritten bei Tests die zulässige Reichweite von 150 Kilometern um 30 bis 40 Kilometer.

Neben der Vernichtung der Raketen forderte Blix auch die Zerstörung der entsprechenden Sprengköpfe, Raketenantriebe und Produktionsmaschinen. Der Irak soll 100 bis 120 Al-Samud-2-Raketen besitzen.

Ein Mitglied des irakischen Parlaments, Mohammed Modhaffar el Adhami, äußerte sich zuversichtlich, dass Irak die Raketen zerstören werde. Der Irak sei bereit, die Raketen-Frage durch "technische Gespräche" zu lösen. Er forderte die Waffeninspektoren auf, die Reichweite der Raketen selbst zu testen. "Wenn die Tests belegen, dass Irak die zugelassene Reichweite überschreitet, dann wird Irak einwilligen, sie zu zerstören".

US-Präsident George W. Bush meinte dazu, die Raketen-Frage sei lediglich ein Problem von vielen. Saddam verfüge über viel mehr Waffen, die zerstört werden müssten.

Dafür haben die USA bei den Verhandlungen mit der Türkei über die Stationierung von US-Truppen an der Grenze zu Irak Fortschritte erzielt. Die USA rechnen mit einer Zustimmung des Parlaments und dem Beginn des Truppenaufmarsches bis kommenden Dienstag. Die Türkei fordert, dass ihre Truppen bei einem Krieg unter eigener Führung operieren könnten und wollen verhindern, dass Kurden die Kontrolle über Ölfelder in der Region erlangen.

Auch eine neue Gefahr durch irakische Waffensysteme wurde bekannt. Nach Informationen aus deutschen Geheimdienstkreisen hat die irakische Armee nahe der Grenze zu Kuwait Raketen vom Typ "Ababil-100" stationiert. Die Raketen dieses Typs können mit chemischen und biologischen Sprengköpfen bestückt werden, berichtete die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS). Dies wäre ein Verstoß gegen die UN-Resolution 949, wonach dem Irak die Stationierung von Waffen in der Nähe der kuwaitischen Grenze verboten ist. Im Verteidigungsministerium wurde der Bericht bestätigt.

Laut FAS sollen US-Flugzeuge am 11. Februar eine solche Raketenstellung angegriffen haben. Wie aus deutschen Regierungskreisen verlautet, könnte diese Raketenstationierung ein Grund für die "schärfere Gangart" sein, die UN-Waffeninspekteur Hans Blix gegenüber dem Irak eingeschlagen hat. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2003)

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