Historikerkommission veröffentlicht Bericht

23. Februar 2003, 16:59
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Endbericht umfasst 14.000 Seiten - 8.000 Anträge bei NS-Entschädigungsfonds eingelangt

Wien - Beim Allgemeinen Entschädigungsfonds für Opfer des Vermögenentzugs durch die Nationalsozialisten sind bisher rund 8.000 Anträge eingetroffen. Bis zum Ende der zweijährigen Antragsfrist am 28. Mai werde diese Zahl aber noch steigen, erwartet die verantwortliche Generalsekretärin des Nationalfonds, Hannah Lessing, im "Kurier". Bereits morgen, Montag, steht ein weiteres wichtiges Ereignis für den Umgang Österreichs mit seiner jüngeren Geschichte an: Die Historikerkommission präsentiert ihren rund 14.000 Seiten starken Endbericht.

Der Allgemeine Entschädigungsfonds wurde nach Abschluss des Washingtoner Entschädigungsabkommens eingerichtet und ist mit 210 Millionen Dollar dotiert. Abgegolten werden sollen bisher nicht entschädigter Raub von Betrieben, Immobilien, Bankkonten, Aktionen und sonstigem beweglichem Vermögen. Die vorhandenen Mittel sollen je nach Wert auf die Antragsteller aufgeteilt werden. Wenn der Gesamtwert höher als 210 Millionen Dollar ist, "wird überall anteilsmäßig runtergekürzt", so Lessing.

Die Generalsekretärin rechnet jedenfalls damit, dass noch Anträge kommen: "Viele recherchieren noch, es gibt einen Rückstau in den Archiven."

Die Historikerkommission wiederum war am 1. Oktober 1998 von der damaligen rot-schwarzen Regierung unter Bundeskanzler Viktor Klima (S) und Wolfgang Schüssel (V) als Vizekanzler eingesetzt worden. Als Mandat bekam sie mit auf den Weg, "den gesamten Komplex Vermögensentzug auf dem Gebiet der Republik Österreich während der NS-Zeit sowie Rückstellungen bzw. Entschädigungen (sowie wirtschaftliche oder soziale Leistungen) der Republik Österreich ab 1945 zu erforschen und darüber zu berichten".

Die Experten legen nun insgesamt 14.000 Seiten vor. Gleichsam als Zusammenfassung soll ein 400 Seiten starker "Schlussbericht" dienen. An den 47 Projekten der Historikerkommission haben in den vergangenen drei Jahren rund 160 Wissenschafter und Wissenschafterinnen mitgearbeitet. Die bereits veröffentlichten Teilberichte mit einem Umfang von rund 4.000 Seiten sind schon jetzt im Internet abrufbar. (APA)

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