Belgrad: Polizei bestätigt Attentatsversuch auf Djindjic

23. Februar 2003, 13:23
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Verbindung mit ehemaligen Kommandanten der Spezialpolizei

Belgrad - Die ersten Polizeiermittlungen nach dem am vergangenen Freitag in Belgrad knapp verhinderten Zusammenprall des Dienstwagens des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic mit einem Lkw haben den Verdacht auf ein Attentatsversuch bekräftigt, meldeten am Sonntag Belgrader Medien. Djindjic hatte am Freitag in einer ersten Reaktion auf den Vorfall eine solche Möglichkeit allerdings noch entschlossen bestritten. Der Lkw-Lenker soll der Polizei wegen seiner "reichen kriminellen Vergangenheit" seit langer Zeit bekannt sein. Das Fahrzeug hatte laut Medienberichten ein österreichisches Kennzeichen.

Der Belgrader Sender "B-92" berichtete am Sonntag, dass der 33-jährige Lkw-Lenker Dejan Milenkovic früher der engste Mitarbeiter des umstrittenen Belgrader Geschäftsmannes Ljubisa Buha gewesen sei. Buha war Anführer einer der mächtigsten Mafiagruppen in der Hauptstadt. Milenkovic soll inzwischen in eine gegnerische Mafiagruppe gewechselt sein, zu der auch der einstige Kommandant der Spezialpolizeieinheit (JSO), Milorad Lukovic Legija, gehören soll.

Legija hatte kürzlich in einem offenen Schreiben an die Medien den Behörden direkt gedroht, nachdem sein Name unter anderem auch in Verbindung mit der Entführung des einstigen serbischen Präsidenten Ivan Stambolic gebracht worden war.

Legija hatte als einer der "Helden" der Wende im Oktober 2000 lange Zeit den Schutz der Behörden, namentlich von Ministerpräsident Zoran Djindjic, genossen. Inzwischen kann er damit offenbar nicht mehr rechnen, nachdem sein Name auch in den Anklagen des UNO-Kriegsverbrechertribunals gegen Slobodan Milosevic aufgetaucht war.

Der Mitarbeiter der Wochenzeitschrift "Vreme", Jovan Dulovic, der als Kenner der serbischen Unterwelt im letzten Herbst auch im Prozess gegen den einstigen jugoslawischen Staatschef vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal ausgesagt hatte, ist von einem Attentatsversuch "absolut" überzeugt. Duluvic ist der Ansicht, dass der Anschlag endlich zur energischen Abrechnung der Polizei mit den weiterhin existenten halboffiziellen Milizeinheiten führt.

Mehrere Regierungsmitglieder bekamen laut Medienberichten neuerdings neue Bodyguards. Es geht um Angehörige der Spezialpolizeieinheit zur Terrorismusbekämpfung SAJ. Zuvor waren Bodyguards meist unter Angehörigen der Polizeieinheit für Spezialoperationen JSO engagiert worden, deren einstiger Kommandant Legija war. (APA)

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