Kreisverkehr am Schwarzenbergplatz

3. September 2008, 18:02
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Als mächtige und effiziente Interessenver­tretung des Landes gilt die Industriellenver­einigung. Ihr Erfolgs­rezept: Sie mischt in allen Bereichen mit und hat ein exzellentes Netzwerk

Als mächtige und effiziente Interessenvertretung des Landes gilt die
Industriellenvereinigung. Ihr Erfolgsrezept: Sie mischt in allen Bereichen mit und hat ein exzellentes Netzwerk über ehemalige Trainees aufgebaut.

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Wien - Wenn die Industriellenvereinigung einmal richtig vom Leder zieht, müssen sich die Gegner warm anziehen. Dieter Böhmdorfer weiß davon ein Lied zu singen, hatte er doch als Justizminister in der schwarz-blauen Regierung einige Sträuße mit den Lobbyisten vom Wiener Schwarzenbergplatz auszufechten. In Rage gerät der Anwalt heute noch, wenn er von Verhandlungen mit dem Koalitionspartner ÖVP erzählt. Die mühte sich erst gar nicht mit dem streitbaren Böhmdorfer ab, sondern schickte gleich die IV ins Rennen.

Die Periode von Schwarz-Blau gilt als Blütezeit der Vereinigung, die sich diese Regierung gewünscht hatte. Und mit Geschenken wie der Senkung der Körperschaftsteuer auf 25 Prozent oder der Gruppenbesteuerung reichhaltig belohnt wurde. Besonders der gute Draht des neuen IV-Generals Markus Beyrer zu Wolfgang Schüssel, dessen Mitarbeiter er einst war, machte sich bezahlt. Während die Regierung den "klassischen" Sozialpartnern die Flügel kräftig stutzte, setzte die Industrie zum Steigflug an. Und via Karl-Heinz Grasser - die IV-Spenden für dessen Homepage sind Legende - wurde die Achse weiter vertieft.

An Bedeutung verloren hat die Vereinigung unter Rot-Schwarz kaum. Dass unter einem roten Kanzler die Regelungen für Stifter verbessert, die Erbschafts- und Schenkungssteuer abgeschafft und die Industrie gegen EU-Vorstöße in Sachen Klimaschutz verteidigt wurden, ist auf den Einfluss von Beyrer, "seines" Präsidenten Veit Sorger sowie der roten Industriellen zurückzuführen.

Die Organisation weiß freilich schon länger, wie man sich Gehör verschafft. Herbert Krejci, langjähriger Generalsekretär der IV, hat sein Netzwerk weit über die Grenzen der ÖVP hinaus gepflegt und auch in der Volkspartei gegen den Strich gebürstet. Die FPÖ-Achse hatte immer schon Tradition, und für gute Kontakte zu den Roten sorgen Industrie-Granden wie Hannes Androsch, Brigitte Ederer oder Monika Kircher-Kohl (Infineon).

Gut abgesichert ist das Netzwerk durch das ausgeklügelte, von Christian Domany in seiner 20-jährigen IV-Zeit aufgebaute Traineeprogramm, in dem Industrie-Kadetten das Handwerk des Industrie-Lobbyings lernen. Trainingsstätten sind neben der IV selbst Konzerne, Ministerbüros, EU-Dienststellen, Parteizentralen und Abgeordnetenstäbe in Wien wie Brüssel. Kaum ein Anliegen, bei dem die IV nicht irgendwo den richtigen Ansprechpartner sitzen hat.

Die "Absolventen" wiederum können über fehlende Karrierechancen nicht klagen, vor allem im politiknahen Wirtschaftsfeld. Herbert Götz schaffte es in die Chefetage der Post, Christoph Stadlhuber nach Dienst bei Martin Bartenstein in den Vorstand der Bundesimmobiliengesellschaft, Johannes Kopf ebenfalls via Kabinett des Wirtschaftsministers in die Führung des Arbeitsmarktservice. René Siegl leitet die Austrian Business Agency, Stefan Höffinger den Berater Arthur D. Little und Werner Langthaler die Finanzagenden von Intercell.

Die engen Verbindungen stehen auch regelmäßig in der Kritik, zuletzt als bekannt wurde, dass der Posten des früheren Kabinettschefs des Innenministeriums, Philipp Ita, von der IV gesponsert worden war. Von bis zu zwanzig Mitarbeitern in Ministerbüros, die vom Industriellen-Bildungswerk bezahlt werden, wollten die Grünen wissen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.9.2008)

Am Samstag: Männerbünde, informell und verbindlich

  • Wer mit dem Paternoster im Haus der Industrie lang genug im Kreis fährt, kommt regelmäßig ganz oben an. Foto: Christian Fischer
    foto: standard/christian fischer

    Wer mit dem Paternoster im Haus der Industrie lang genug im Kreis fährt, kommt regelmäßig ganz oben an. Foto: Christian Fischer

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