In der Förderbank AWS brodelt es wieder

3. September 2008, 17:38
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Sechs Jahre nach ihrer Gründung steht Austria Wirtschaftsservice vor Totalumbau

Wien - Die Austria Wirtschaftsservice (AWS) sorgt wieder für Unruhe. Grund ist eine tiefgreifende Umstrukturierung in der staatlichen Förderbank, die AWS-Geschäftsführer Hans Moser noch vor der Wahl durchboxen will. Er stößt dabei auf erheblichen Widerstand, sowohl hausintern (bei Ko-Geschäftsführer Peter Takacs) als auch extern, konkret bei Hälfteeigentümer Wirtschaftsministerium.

Die Fronten sind laut Insidern verhärtet, weil die angepeilte Konzentration der Fördermilliarden bei Moser bestenfalls überschaubare Begeisterung auslöst.

Die Konzentration wäre für den Ex-Chef der Pleitenholding GBI und Ex-Wirtschaftssprecher der SPÖ im Nationalrat in der Tat ansehnlich: Sämtliche Förderagenden, also Zuschüsse, Kredite (inkl. ERP-Fonds), Garantien und Regionalförderung würden nach der neuen Raumordnung bei der Organisationseinheit Förderbank und damit bei Moser ressortieren.

Nach derzeitigem Planungsstand soll die AWS darüber hinaus inhaltlich in die drei Bereiche Gründung, Wachstum, Innovation und Technologie gegliedert werden, für die drei Programmmanager verantwortlich sind. Diese Gliederung entspricht allerdings nicht den operativen Zuständigkeiten in Geschäftsführung und Hauptabteilungen, denn die Programmmanager arbeiten quasi querbeet.

Die wirkliche Macht soll nach der von der Unternehmensberatung Trigon begleiteten Umorganisation in drei großen Bereichen angesiedelt sein: "Förderbank" , "Eigenkapital" und "Consulting". Während Takacs der Bereich Eigenkapital zugeordnet wird, will sich Moser um die neuformierte Förderbank kümmern. Consulting bleibt demnach eine bunte Mischung aus beratungsintensiven Dienstleistungen, Patentverwertung EU- und Internationale Projekte. Letztere sind nicht mit dem Internationalisierungsgeschäft zu verwechseln, das aus Garantien etc. besteht.

Dass die Reform noch vor der Wahl kommt, ist mehr als unsicher, denn mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer kommt Moser seine Hausmacht abhanden. Fix ist mittlerweile nicht einmal mehr, dass sich die AWS-Aufsichtsratssitzung am 17. September mit dem Thema beschäftigt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.9.2008)

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