Russische Archäologen wollen das legendäre Itil gefunden haben

3. September 2008, 16:20
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Multikulturelle Hauptstadt des einstigen Chasarenreichs soll sich in der Gegend um Samosdelka nördlich des Kaspischen Meers befunden haben

Moskau - Russische Forscher haben in Südrussland eine Entdeckung gemacht, die sie für Itil, die lange gesuchte Hauptstadt des Chasaren-Reiches, halten. Der Standort der Stadt sei anhand von Funden wie den Überresten eines Ziegelforts bestimmt worden, sagte Expeditionsleiter Dmitri Wasiljew am Mittwoch. Die Hauptstadt des Königreichs der Chasaren lag demnach nahe der heutigen Ortschaft Samosdelka im Norden des Kaspischen Meeres. "Das ist eine ungeheuer wichtige Entdeckung", sagte der Forscher der Universität von Astrachan. Die Forschergruppe hatte in der Gegend um Samosdelka neun Jahre lang nach der untergegangenen Stadt gesucht. Nun gebe es genug Hinweise, um den Standort Itils mit Sicherheit bestimmen zu können, sagte Wasiljew.

Die Chasaren waren ein halbnomadisches Turkvolk, das etwa zwischen dem achten und dem zehnten Jahrhundert im heutigen Südrussland herrschte. Danach verloren sie ihre regionale Macht an die aufsteigende Kiewer Rus, das aus skandinavischen und slawischen Ursprüngen entstammende Machtgebilde, aus dem später Russland erwachsen sollte. Bisher sei nur sehr wenig über die Chasaren und ihre Traditionen, ihre Beerdigungsrituale sowie ihre Kultur bekannt, sagte Wasiljew weiter. Nun könne das Geheimnis geklärt werden, wie das Volk gelebt habe. Bekannt ist etwa, dass zumindest die chasarische Oberschicht spät - um die Wende des 8. zum 9. Jahrhundert unserer Zeitrechnung - zum Judentum konvertierte.

In dem entdeckten Fort mit dreieckigem Grundriss seien die Überreste von Hütten gefunden worden, die typisch für die Lebensweise der Chasaren gewesen seien, sagte der Forscher. Bisher seien manche Wissenschaftler sogar davon ausgegangen, dass die Stadt im Kaspischen Meer versunken sei. Itil war der Forschung zufolge eine multikulturelle Metropole, in der neben jüdischen, christlichen und muslimischen Gotteshäusern auch heidnische Religionen ihren Platz fanden. Zu seiner Blütezeit erstreckte sich das Chasaren-Reich über das heutige Südrussland, den Westen Kasachstans, die Ostukraine, Aserbaidschan sowie große Teile des Nordkaukasus. (APA/red)

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