Mehr neu gebaut, weniger saniert

3. September 2008, 15:27
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Die Verwendung der Wohnbauförderung war im Vorjahr nach Bundesländern sehr unterschiedlich. Die Altbausanierung war auf dem Niveau der 90er-Jahre

Die Wohnbauförderung hat sich im Vorjahr sehr unterschiedlich entwickelt. Die Bundesländer gaben 2007 Förderungszusicherungen für insgesamt 35.700 Wohneinheiten ab, womit sich der positive Trend des Jahres 2006 verfestigt habe. Ein Wermutstropfen sei jedoch, dass die Mittelverwendung für nicht wohnbaurelevante Maßnahmen stark gestiegen sei, und zwar um 13 Prozent. Außerdem sei die Mittelverlagerung in die Sanierung ausgeblieben, kritisiert das Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) in einer Aussendung.

Österreichweit werde die Wohnungsproduktion demnächst die Marke von 50.000 Einheiten pro Jahr erreichen. Das sei ein Niveau wie in den späten 1990-er Jahren, hieß es. Genaue Zahlen dazu lägen nicht vor.

Starke Entwicklung in Oberösterreich

"Überraschend ist die positive Entwicklung bei der Eigenheimförderung. Über mehr als zehn Jahre hinweg sanken die Förderungszusicherungen bis zu einem Tiefststand von 11.600 Einheiten 2005. Mittlerweile ist die Zahl wieder auf 13.400 angestiegen. Allein 2007 wurde ein Plus von neun Prozent erzielt", rechneten die Studienautoren vor. Der Zuwachs gehe hauptsächlich auf eine stark positive Entwicklung in Oberösterreich zurück, wo die Eigenheimbewilligungen von 2.500 Einheiten 2006 auf 4.100 Einheiten 2007 anstiegen.

Gänzlich anders sieht es in der Steiermark aus. Die Grüne Mark hat nach Salzburg die niedrigste Förderungsrate aller Bundesländer. Sie erreicht nur rund drei Viertel des Österreich-Durchschnitts. "In der Steiermark erklärt sich die niedrige Förderungsrate aus der schwachen Bevölkerungsdynamik, nicht aber in Salzburg. Der geringe Wohnungsneubau in diesem Bundesland ist mit dafür verantwortlich, dass Salzburg während der vergangenen Jahre die im Bundesländervergleich mit Abstand stärksten Preissteigerungen am Wohnungsmarkt zu verkraften hat", so die Autoren.

Zwei Drittel für den Neubau

Mehr als zwei Drittel der Wohnbauförderung geht in den Wohnungsneubau: 47 Prozent in den Neubau von Geschoßwohnungen, 13 Prozent an Häuslbauer und 8 Prozent in die Wohnbeihilfe. Gefördert wird vor allem mit zinsgünstigen Darlehen und Annuitätenzuschüssen. Nicht rückzahlbare Baukostenzuschüsse haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren.

Obwohl angesichts des Klimawandels Experten wie Politiker die Bedeutung der Altbausanierung hervorheben, blieb es bei Lippenbekenntnissen. "Erreichte die Sanierungsförderung in der Vergangenheit bis zu 25 Prozent der Förderungsausgaben (2001), lag ihr Anteil 2007 bei nur noch 19 Prozent. Damit wird der negative Trend des Vorjahrs fortgesetzt. Nur noch 550 Förderungsmillionen werden in die Sanierung investiert. Das ist (nominell) dasselbe Volumen wie Mitte der 1990er Jahre. Diese Entwicklung steht in diametralem Gegensatz zu den politischen Bemühungen um eine Mittelverlagerung in der Wohnbauförderung", kritisieren die Studienautoren.

Abflüsse in die Länderbudgets

Grundsätzlich gelte: Die Wohnbauförderung wurde 2007 zum weit überwiegenden Teil aus den Zweckzuschüssen des Bundes und Rückflüssen gespeist. Aus den Länderbudgets wurden sieben Prozent der Förderung gespeist, davon der weit überwiegende Teil von Niederösterreich. Im Gegenzug wurde die Wohnbauförderung wieder in verstärktem Ausmaß dazu genutzt, um Mittel für die Länderbudgets abzuschöpfen. Insgesamt flossen 677 Mio. Euro in die Länderbudgets, der größte Teil davon in Oberösterreich.

370 Förderungsmillionen gingen in nicht-wohnbaurelevante Maßnahmen. Diese zweckfremde Mittelverwendung ist seit 2001 möglich und sollte u.a. dazu beitragen, Maßnahmen zur Erreichung der Kyoto-Ziele zu forcieren. Tatsächlich seien von diesen Ausgaben aber nur zehn Prozent kyoto-relevant. Der größte Teil fließt laut Studie in infrastrukturelle Maßnahmen. Vor allem Wien wende maßgebliche Beträge für den Bau von Kindergärten und ähnlichen siedlungsbezogenen Einrichtungen auf, so das IIBW. (red/APA)

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    Dieses Bild zeigt lediglich effiziente Diebstahlsicherung auf einer deutschen Baustelle. In Österreich werden gerade vor allem in Oberösterreich verstärkt die Mischmaschinen angeworfen.

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