Es geht um die Klarheit

3. September 2008, 15:17
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Grünen-Sportsprecher, Dieter Brosz, will den Parteieinfluss mindern und die Kooperation innerhalb des Sport­systems erhöhen

Erst haben sie die Umwelt saniert, die Geschlechter gleichgestellt und die Energie effizient eingesetzt. Nachher haben sie sich auch den Kopf über den Sport und seine Rolle und Wirkung in der Gesellschaft zerbrochen. Im Wahlprogramm 2008 machen sie unmissverständlich deutlich, dass Waffen nur für Jäger und Sportschützen erlaubt sein sollten. Im (ausführlicheren) Wahlprogramm 2006 firmierte der Bewegungskomplex noch im Abschnitten Kinder und Jugendliche und hatte ein eigenes Kapitel, in dem der Wert des Sports für die Gesundheit festgestellt und eine Verstärkung der schulischen Bewegungserziehung gefordert wurde. Sportsprecher Dieter Brosz: "Erst vor wenigen Tagen hat der Rechnungshof nachgewiesen, dass durch die Sparmaßnahmen im Schulsystem die "Bewegung und Sport"-Stunden gekürzt wurden."

Um die Körperkultur im Land zu heben, müssten endlich die Hallen und Plätze öffentlicher Einrichtunge wie Schulen und Universitäten „außerhalb der Unterrichtszeiten allen zur
Verfügung" stehen, wie im Wahlprogramm 2008 gefordert wird. Und zwar "auch am Abend, am Wochenende und während der Ferien."

Zwar sei "die präventive Wirkung des Sports schon wesentlich stärker im Bewusstsein verankert", doch "dürfte die Schere zwischen gesundheitsbewussten FreizeitsportlerInnen und den "couch potatos" größer werden." Also Motivation, Aufklärung! Unter anderem durch die Errichtung von Sporthallen, mehr sportliche Vielfalt im ORF, Bewegungsangebote in den Tourismusregionen und die Heranziehung der (privaten) Sportwetten-Anbieter zur Finanzierung des Sports.

Die Zusammenlegung der Dachverbände ASKÖ, SPORTUNION und ASVÖ hält Brosz für "unrealistisch". Stattdessen wünscht er sich eine nicht unbedingt einheitliche, aber transparentere und besser kontrollierte Sportförderung. Brosz: "Wichtig wäre eine verbesserte Kooperation und das Zurückdrängen parteipolitischer Einflüsse auf den Sport." Die überproportionale Förderung des Fußballverbandes sollte tunlichst im Rahmen einer Neuverteilung der Mittel (Brosz: "Ich möchte endlich wissen, wofür die Mittel konkret verwendet werden") beendet werden.

Wie allen Politikern kritisieren auch die Grünen die sehr schwankende Professionalität der Verbände, nicht die Zahl der Medaillen, jedoch sehr wohl "das allgemeine Abschneiden" zeige, wo gut und wo nicht gut gearbeitet werde. Da die Parlamentarier nach wie vor nur sehr oberflächlich über die Verwendung der Bundesmittel informiert. Brosz: "Kontrollinstanzen werden noch immer von den Fördernehmern beschickt. Das muss abgestellt werden."

Neben der Bewegungskultur bringen SpitzensportlerInnen wie Mirna und Dinko Jukic oder Fussballer wie Ümit Korkmaz "durch ihre Leistungen und vor allem ihr Auftreten" einen gesellschaftspolitischen Mehrwert, indem sie die Integration von Ausländern sinnfällig fördern. Auch Spitzensportlern freilich müssten sich ihrer moralischen Verpflichtung als Vorbilder stellen. Brosz: "Gerade bei den großen Idolen ist es nicht notwendig, jeden Werbeeuro anzunehmen, egal für welches Produkt geworben wird." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 4. September 2008)

  • "Die präventive Wirkung des Sports ist schon wesentlich stärker im
Bewusstsein verankert, doch die Schere zwischen
gesundheitsbewussten FreizeitsportlerInnen und den „couch potatos"
dürfte größer werden."
    foto: standard/regine hendrich

    "Die präventive Wirkung des Sports ist schon wesentlich stärker im Bewusstsein verankert, doch die Schere zwischen gesundheitsbewussten FreizeitsportlerInnen und den „couch potatos" dürfte größer werden."

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