Jahrtausende alte Eisregion in Auflösung

3. September 2008, 15:29
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Neuerlich gewaltiger Abbruch am Schelfeis von Ellesmere Island - das ohnehin nur mehr ein schwacher Abglanz einstiger Größe ist

New York/Peterborough - Die zwischen Kanada und Grönland gelegene Ellesmere Island, eine der größten Inseln der Welt, ist nicht nur selbst zum Großteil von Gletschern bedeckt - über viele Jahrtausende hinweg war sie auch von ausgedehnten Schelfeis-"Anhängseln" gekennzeichnet: Auf der Meeresoberfläche treibenden Eisplatten, die mit den Gletschern an Land fest verbunden sind. Oder vielmehr waren. Denn im vergangenen Jahrhundert ist die Schelfeis-Region von ihrer ursprünglichen Ausdehnung auf etwa ein Zehntel - 1.000 Quadratkilometer - zusammengeschrumpft. Und der Trend geht weiter.

Erneut hat sich eine gigantische Eisfläche gelöst und schwimmt frei im Arktischen Ozean: Wie die Zeitung "Globe and Mail" am Mittwoch berichtete, brach die etwa 50 Quadratkilometer große Eisfläche bereits Anfang August von Ellesmere Island ab. Nach Angaben des Eisforschers Derek Mueller von der Trent Universität in Peterborough sind damit allein in diesem Sommer 214 Quadratkilometer arktische Eisfläche verloren gegangen. Das ist fast ein Viertel der verbliebenen Schelfeis-Bestände in der Region.

Lange Gefrorenes wird auftauen

Bis zum Jahr 1990 hatte sich die geschlossene Eisfläche von Ellesmere Island auf sechs voneinander getrennte Eisflächen reduziert. Bei dem zuletzt abgebrochenen Stück handelt es sich um das sogenannte Markham Ice Shelf. Bereits im Juli war das Ward Hunt Ice Shelf auseinandergebrochen. Mit den Abbrüchen verschwindet gleichsam "antikes" Eis: Das im Schelf enthaltene Wasser ist bis zu 4.500 Jahre lang gefroren gewesen - während weiter außen gelegene Regionen einem alljährlichen Prozess des Abschmelzens und Wiedergefrierens unterzogen sind.

Ein großer Teil der im vergangenen Jahrhundert abgeschmolzenen Schelfeis-Region verschwand während einer relativ warmen Phase in den 30er und 40er Jahren - und heute sind die Temperaturen in der Arktis noch höher als damals. "Wir können nicht jedes einzelne Ereignis dem Klimawechsel zuordnen, aber wir können sicher die Muster miteinander in Verbindung bringen", sagt Derek Mueller. (red)

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