NS-Mitgliedschaft: Wiener Margret-Dietrich-Gasse wird umbenannt

3. September 2008, 15:01
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Theaterwissenschafterin war Mitglied in der NSDAP - Straße wird nun nach Theaterkritikerin Helene Richter benannt


Wien - Die Theaterwissenschafterin Margret Dietrich hat ihre Gasse in Wien verloren: Nach der 2004 verstorbenen einstigen Leiterin des Instituts für Theaterwissenschaft war im Frühjahr 2006 in Floridsdorf eine Gasse nahe der niederösterreichischen Grenze benannt worden. Aufgrund ihrer nun publik gewordenen Mitgliedschaft in der NSDAP hat der zuständige Bezirksausschuss beschlossen, die Gasse in Helene-Richter-Gasse umzubenennen, teilte Bezirksvorsteher Heinz Lehner (S) mit.

Zusammen mit mit Heinz Kindermann hat  Dietrich (1920 bis 2006) ab 1943 das Wiener Institut für Theater aufgebaut. 1945 wurde Kinderman im Zuge des NS-Verbotsgesetzes vorrübergehend seines Postens als Institutsleiter enthoben. Ihm folgte die gebürtige Deutsche nach. Dietrich blieb von 1966 bis 1985 Leiterin. Ihre einstige NS-Mitgliedschaft wurde einer breiteren Öffentlichkeit erst im Zuge von Forschungen anlässlich des 65-jährigen Institutsjubiläums bekannt

Theaterkritikerin Helene Richter

 

Daraufhin hatte sich der Bezirk entschlossen, die Gasse der jüdischen Kabarettistin Stella Kadmon zu widmen, der zwischenzeitlich jedoch bereits ein Weg in Favoriten zugesprochen wurde. Die Wahl fiel schlussendlich auf die jüdische Theaterkritikerin Helene Richter. Die 1861 geborene Wienerin starb 1942 an den Folgen der Deportation ins KZ Theresienstadt.

Die neue Namensgebung soll in der nächsten Bezirksvertretungssitzung offiziell beschlossen werden. Die Straßenschilder der Margret-Dietrich-Gasse dürften dann alsbald abmontiert werden, zumal man auch im zuständigen Kulturressort der Umbenennung positiv gegenübersteht. Da es keine Anrainer an der Adresse gibt, werden keine Umbenennung notwendig. (APA)

 

 

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