LIF sagt "Ja, aber" zu Studiengebühren

3. September 2008, 14:24
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Wissenschaftssprecher Ronald Pohoryles will den Studienbeitrag "in jetziger Form" abschaffen - Sein Vorschlag: Ein System, in dem Studierende nicht nebenbei arbeiten müssen

Wien - Auch wenn sich das LIF nicht generell gegen die studentische Mitfinanzierung von Hochschulen ausspricht, so sind die Studiengebühren "in jetziger Form sofort und ersatzlos zu streichen", sagte der heute, Mittwoch, als Wissenschaftssprecher des Liberalen Forums bei einer Pressekonferenz in Wien vorgestellte Politikwissenschafter Ronald J. Pohoryles. Sie hätten nachweislich nicht die Leistungen der Unis verbessert. Vorausgesetzt einer Grundsicherung für die Studierenden sowie einer Verbesserung der Hochschulen solle kurzfristig ein neues System eingeführt werden.

"Ernsthafter Beitrag" zur Verbesserung

Das neue System der Studienfinanzierung beinhalte zwar allfällige Studiengebühren, es solle aber so gestaltet sein, dass es einen "ernsthaften Beitrag" zur Verbesserung der Hochschulen leistet und sich die Studierenden das Studium leisten können, ohne nebenbei zu arbeiten. Dafür benötige es laut Pohoryles, Chef des Interdisziplinären Forschungszentrums Sozialwissenschaften in Wien und Paris, neben einer "Grundfinanzierung" (Grundeinkommen) auch entsprechende Studienkredite, die nach Abschluss des Studiums einkommensabhängig rückzahlbar sind.

Da das jetzige System der Studiengebühren abzulehnen sei, wies LIF-Bundessprecher Alexander Zach darauf hin, dass er bei der kommenden Sondersitzung des Nationalrates für die Abschaffung der Studiengebühren stimmen wird. Gleichzeitig sei es aber wichtig, die Forschungspolitik nicht auf dieses Thema zu reduzieren.

Wissenschaft von klein auf

Als weitere Punkte des liberalen Wissenschafts- und Forschungsplans nannte Pohoryles die Förderung einer Wissenschaftserziehung "von klein auf" verbunden mit "kreativerem Unterricht" sowie "vernünftigen Experimenten" im Klassenzimmer. Zudem seien Lehre und Forschung zu entbürokratisieren, Transparenz bei der Vergabe von Forschungsprojekten sowie bei Subventionen zu fördern und Bedingungen zu schaffen, damit Österreich auch für ausländische Studierende und Forscher attraktiv wird.

"Die überfüllten Universitäten sind ein Problem", so der LIF-Wissenschaftssprecher. Doch es ginge nicht darum, den Zugang zu reglementieren. Vielmehr liege die Ursache in dem "bescheidend wenigen Personal" sowie zu wenig Unis. Die breite öffentliche Diskussion der Studiengebühren entspreche nicht der Bedeutung, die sie für das Uni-Budget hätten. Pohoryles verwies auf den Anteil von fünf Prozent oder 150 Mio. Euro, die die Unis durch die Gebühren einnehmen - "bei einem Uni-Budget von insgesamt 2,5 Mrd. Euro".

Private Investitionen in Unis

Zwar "nicht morgen", doch langfristig benötige es ein Uni-Budget von vier bis fünf Mrd. Euro, so Pohoryles. Nach möglichen Finanzierungsquellen gefragt, nannte der LIF-Wissenschaftssprecher private Investitionen ("müssen Attraktivität erhöhen") sowie den Umbau des Steuer- und Ausgabesystems.

Zudem brauche man künftig mehr Universitäten, da man auch ausländische Studierende anziehen wolle, um wettbewerbsfähig zu sein. Auf die Bevölkerung umgelegt hätte Österreich etwa viel weniger Studierende als Großbritannien. "Monster-Unis" seien hier auch nicht die Lösung, um mehr Studierende zu bewerkstelligen. (APA)

 

  • Für den LIF-Wissenschaftssprecher Ronald Pohoryles sind die Studiengebühren kein Tabu, nach seinen Vorstellungen sehen sie jedoch anders aus.
    foto: standard

    Für den LIF-Wissenschaftssprecher Ronald Pohoryles sind die Studiengebühren kein Tabu, nach seinen Vorstellungen sehen sie jedoch anders aus.

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