Lufthansa könnte auf AUA angewiesen sein

3. September 2008, 14:07
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Sollte die Kooperation mit der russischen AirUnion scheitern, könnte die Lufthansa wegen der "aufreibenden" Russland-Aktivitäten auf die AUA angewiesen sein

Wien/Frankfurt - Wenn die Kooperation mit der russischen AirUnion scheitert, ist Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber mehr denn je auf die österreichische AUA angewiesen, schreibt das deutsche Magazin "Wirtschaftswoche" in seiner neusten Ausgabe. Hintergrund seien die Russland-Aktivitäten des Kranich.

Das Russland-Geschäft reibe den Lufthansa-Chef auf, so die Zeitung. Zunächst hätten russische Behörden 2007 der Tochter Lufthansa Cargo zeitweise verboten, über Russland zu fliegen. Dann hätten russische Steuerbeamte Konten der Fluggesellschaft eingefroren, bis die Lufthansa versprach, ihre Frachtflugzeuge auf dem Weg nach Asien nicht nur in Kasachstan zwischenlanden zu lassen, sondern einige auch auf dem russischen Flughafen Krasnojarsk aufzutanken.

Vor wenigen Wochen erst sei die Passagiersparte vom Moskauer Chaos-Flughafen Scheremetjewo nach Domodedowo umgezogen. Dort landen auch die Flugzeuge der russischen Flugallianz AirUnion, mit der die Lufthansa kooperieren will. Doch jetzt drohe AirUnion das Aus. Die russische Regierung ist nach Informationen des Blatts nicht bereit, die offenen Rechnungen der AirUnion in Höhe von mehr als einer Milliarde Dollar zu begleichen.

Mehr Druck

Dem Magazin zufolge verstärkt all das den Druck auf die Lufthansa, bei Austrian Airlines (AUA) einzusteigen, wo der Staatsanteil (ÖIAG-Anteil) von 42,75 Prozent Prozent zum Verkauf steht. Die AUA ist im Osteuropa-Geschäft besonders stark. Um den AUA-Anteil pokern allerdings auch Air France-KLM, Turkish Airlines, Air China und die russische S7. Sie könnten, wie auch in der deutschen Branche gemunkelt wird, eher als die Lufthansa geneigt sein, Österreichs Forderung zu erfüllen und Wien als Drehkreuz für Osteuropa beizubehalten. Hinzu komme, dass sich Russlands Marktführer Aeroflot dem "Sky Team" angeschlossen hat, dem auch Air France-KLM angehört.

Das deutsche "Handelsblatt" sieht die Lufthansa aktuell gut aufgestellt. Die Kranich-Aktie gelte trotz des hohen Ölpreises als solide, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten.

Erhält die Lufthansa bei der AUA den Zuschlag, würde sie zu Europas größter Fluggesellschaft vor Air France/KLM aufsteigen, so das Handelsblatt in seiner Mittwochausgabe. In der Portokasse liege genügend Geld - in den letzten Jahren legte die Lufthansa Rekordergebnisse vor. Vorstandschef Mayrhuber habe das Ziel ausgegeben, das sehr gute Ergebnis 2007 von rund 1,4 Mrd. Euro in diesem Jahr noch zu übertreffen. Analysten zweifeln derzeit aber an, dass das gelingt. Hohe Kerosinpreise, stagnierende Konjunktur und die Billigflieger machten es den großen Airlines schwer. Mehr als 25 Gesellschaften mussten dieses Jahr bereits ihren Betrieb einstellen.

"Bestens aufgestellt"

Analysten loben den Kranich: "Im Vergleich zur Konkurrenz ist die Lufthansa aber bestens aufgestellt", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler dem Handelsblatt. Die Aktie gelte im Airline-Sektor als Liebling der Analysten. Dies bestätigt eine Analyse von Bloomberg, der für die Aktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,4 berechnet und somit die Lufthansa als günstigsten europäischen Luftfahrtwert auszeichnete. Seit April fiel der Lufthansa-Kurs von gut 18 Euro auf rund 15 Euro. Im letzten Monat empfahlen 70 Prozent der Analysten die Aktie zum Kauf.

Anders als viele Konkurrenten sichere die Lufthansa 85 Prozent ihres Kerosinbedarfs über Monate hinweg ab. Fiele der Ölpreis jedoch weiter, hätte sie zunächst keinen Vorteil. Steigt das Preisniveau wieder erheblich, geriete die Profitabilität aller Airlines unter Druck, und es könnte zu einer Marktbereinigung kommen, zitiert das Blatt Nils Machemehl von der BHF-Bank. Allein für das erste Halbjahr seien bei der Lufthansa die Kerosinkosten um 50 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro angestiegen.

Mayrhuber wird in den deutschen Medien Einkaufslust nachgesagt. "Ich möchte noch mehr Marken haben", sagte er kürzlich in der "Wirtschaftswoche". Vielfalt sei ein entscheidender Grund für den Erfolg seiner Fluggesellschaft. Neben der AUA bekundet Mayrhuber letzte Woche überraschend auch Interesse an der belgischen SN Brussels. (APA)

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