Portät: Konsequent und loyal

3. September 2008, 14:47
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Der pakistanische Premier ist kein Opportunist - Er steht zu seinen Überzeugungen - Wenn nötig auch gegen den Widerstand seiner eigenen Partei

Yousuf Raza Gilani war keiner von Musharrafs „Good Boys", der die Angeboten des ehemaligen Staatschefs annahm. Musharraf versuchte mehrmals, Gilani, genau wie viele seiner Parteikollegen aus der Pakistan People's Party (PPP), zum Seitenwechsel zu überzeugen. Gilani weigerte sich. Seine Loyalität wird in der Partei bewundert.

Im Jahr 2001 wurde Gilani verhaftet und wegen illegaler Regierungsabsprachen während seiner Zeit als Parlamentssprecher (1993-96) zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.

Das Urteil wurde von einem Anti-Korruptionsgericht gefällt, das von Musharraf eingesetzt wurde, um die Politik zu „säubern". Gegner werfen Musharraf vor, das Gericht sei nur ein Werkzeug gewesen, um politische Gegner einzuschüchtern und dazu zu bringen, auf seine Seite zu wechseln. Die Unterstützer Gilanis meinen, dass ein Seitenwechsel für ihn nie in Frage gekommen wäre. Gilani wäre dafür bekannt, das Richtige zu tun, sagen sie.

Im Jahr 1995 bemühte er sich um die Freilassung von Parlamentariern, die von seiner eigenen Regierungspartei, der PPP, festgenommen wurden. Als sich der Innenminister weigerte sie freizulassen, machte er den Vorfall aktenkundig - eine ziemlich unübliche Vorgehensweise.

Seine Äußerungen nach seiner Verurteilung im Jahr 2001 waren auch sehr eindeutig. Gilani sagte die Vorwürfe gegen ihn seien konstruiert und dazu gedacht, ihn dazu zu bringen die PPP zu verlassen. „Weil ich ihnen nicht entgegenkomme, haben sie sich entschlossen mich zu verurteilen. Und sie versuchen an mir ein Exempel zu statuieren, eine Warnung an andere Politiker", sagte Gilani. Seine Haltung und sein Trotz brachten ihm auch Bewunderung von Seiten der Regierung ein.

Politische Familientradition

Politik gegen das Establishment hat in Gilanis Familie Tradition. Gilani wurde am 9. Juni Karatschi geboren, aber seine Familie kommt aus Punjab - einer zwischen Indien und Pakistan geteilten Provinz. Die Gilanis gehörten zu den bekanntesten Landbesitzern und geistigen Führern der Region. Ihre Heimatstadt ist Multan, eine der ältesten noch bestehenden menschlichen Siedlungen weltweit. Die Bekanntheit der Familie führte auch dazu, dass sich ihre Mitglieder um politischen Einfluss bemühten.

Gilanis Großvater und seine Großonkel traten der All India Muslim League bei und waren Unterzeichner der Pakistan-Resolution im Jahr 1940, die zur Teilung des Landes führte. Sein Vater, Alamdar Hussain Gilani, war in den 1950er Jahren Minister in der Provinz. Gilani wurde 1978, kurz nachdem er sein Journalismus-Studium an der Universität von Punjab beendet hatte, Mitglied des Führungsgremiums der Muslim-League.

Seine erste Amtszeit als Beamter war als Kandidat von General Zia-ul-Haq. Der Chef der pakistanischen Armee hat mit einem Militärstreich im Jahr 1977 gegen den gewählten Premierminister Zulfiquar Ali Bhutto (PPP) die Macht im Land an sich gerissen. Bhutto wurde zwei Jahre später hingerichtet - was das Verhältnis zwischen Armee und PPP dauerhaft zerstörte.

Gilani wird 1983 zum Vorsitzenden des Gewerkschaftsrates von Multan gewählt. Zwei Jahre später schafft er den Sprung ins Regionalparlament. Während seiner ersten Arbeitsperiode gab es Ereignisse, die ihn dazu brachten die Muslim-League zu verlassen.

Nach einem Streit mit dem damaligen Premierminister Mohammad Ali Junejo, wurde er aus seinem Ministeramt gedrängt und innerhalb der Partei beiseite geschoben.

Bhutto-loyal

Gilani erzählt er wäre danach nach Karatschi gefahren, um Benazir Bhutto, die Tochter von Zulfiquar Bhutto, zu treffen. General Zia war immer noch an der Macht und die PPP sah einer unsicheren Zukunft entgegen. Gilani wollte trat trotzdem bei. Beobachter meinen seine Loyalität zum Bhutto-Clan habe ihm die Nominierung zum Premierminister eingebracht. (red, derStandard.at, 3.9.2008)

 

  • Premierminister Yousuf Raza Gilan steht zu seinen Überzeugungen.
    Foto: AP Photo/Anjum Naveed, FILE

    Premierminister Yousuf Raza Gilan steht zu seinen Überzeugungen.

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