"Apple und Google wollen die Regeln neu schreiben"

3. September 2008, 15:18
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Macintosh-Pionier Andy Hertzfeld im Interview über die Erfindung des Macs, dem Scheitern am Massenmarkt und seine Arbeit bei der Internet-Ikone

Kommenden Jänner wird der Macintosh 25 Jahre alt. Einer der Schlüsselfiguren hinter dem "benutzerfreundlichen PC" war der Software-Ingenieur Andy Hertzfeld, der heute beim Internetkonzern Google als Entwickler arbeitet. Oreilly.com hat Hertzfeld zur Entstehung des Macs und seiner Erfahrung für zwei Ikonen der Industrie zu arbeiten, interviewt.

Langlebig

Wenn Hertzfeld auf die vergangenen Jahre zurückblickt, muss er sich eingestehen, dass er nicht an die Langlebigkeit des Macs geglaubt hatte. "Ich hätte nie vorhergesehen, dass 25 Jahre danach noch Computer verkauft würden, die Macintosh heißen. Einfach deshalb, weil der Mac den Apple II ersetzt hat und ich dachte, dass etwas anderes den Mac ersetzen würde."

Gleichzeitig sieht Hertzfeld die verhältnismäßig geringe Verbreitung des Macs im Lizenzmodell begründet. "Als der Mac herauskam, war er Windows vier oder fünf voraus und hätte die Rolle von Windows übernehmen können, wäre es einem offenen Lizenzmodell unterstanden.  Nachdem der Macintosh auf einen einzigen Hersteller, Apple, lizenziert wurde, konnte er niemals eine Industrie begründen." Allerdings sprach auch der Fokus von Apple gegen eine Öffnung für den Breitenmarkt. Demnach konzentrierte man sich immer schon auf die Bedürfnisse des Anwenders, als an die Anforderungen der Unternehmen.

Ikonen

Apples Erfolg der letzten Jahre schreibt Hertzfeld den Führungsqualitäten Steve Jobs zu, der als Visionär und strenger Vorgesetzter die Messlatte immer ein Stück höher setzt, um das meiste aus den Mitarbeitern herauszuholen. Der Vergleich zu seinen heutigen Arbeitgebern von Google fällt ihm leicht. "Sie sind sich in mancher Hinsicht sehr ähnlich. Im Grunde genommen wollen beide, Apple und Google, das Regelbuch neu schreiben." Der Unterschied läge in erster Linie in der Unternehmensphilisophie: "Apple ist sehr penibel. Leute, die an Macs arbeiten, wissen nichts über neue iPods. Google ist andererseits extrem offen. Wenn sie einmal angestellt sind, haben sie Zugriff zu jeder einzelnen Information im Konzern. Ich würde sagen, Google ist mehr 'Daumen hoch'-orientiert, während man bei Apple eher den Masterplan eines einzigen Individuums ausführt."

Zusammenarbeit

Jedoch haben beide Konzerne auch ein gemeinsames Ziel vor Augen. Eine der Motivationen für Apples und Googles Wirken ist die Vormachtstellung Microsofts aufzubrechen. Während Apple auf der Softwareseite konkurriert, hat Google Microsoft den Internet-Markt vorweggenommen. Bei Mobiltelefonen werden künftig allerdings alle drei Unternehmen im Wettbewerb zueinander stehen, wenn "Android", nach Windows Mobile und dem iPhone auf den Markt kommt. "Ich bin sicher Apple ist nicht allzu glücklich darüber." (zw)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hertzfeld und sein Macintosh.

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