Meinl Airports trennt sich von der Meinl Bank

3. September 2008, 12:30
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Nach dem Machtwechsel bei Meinl Airports International (MAI) Ende Juli 2008 hat das neue Management nun die Loslösung von der Meinl-Bank eingeleitet

Wien - Nach dem Machtwechsel bei der börsenotierten Meinl Airports International (MAI) Ende Juli 2008 hat das neue Management nun die Loslösung von der Meinl-Bank eingeleitet und mit dem Aufbau einer neuen Unternehmensstruktur begonnen, teilte MAI am Mittwoch in einer Aussendung mit. Ebenfalls begonnen wurde mit der Statuserhebung, die bis September abgeschlossen sein soll. Ziel sei es, den Aktienkurs an den inneren Wert des Unternehmens heranzuführen. Gestern Mittag notierten die Zertifikate/Aktien bei 5,51 Euro (minus 1,96 Prozent zum Vortag), der Ausgabekurs war bei 10,0 Euro gelegen.

Die neue Führung verspricht, dass die Reporting Standards an jene des Prime Markets der Wiener Börse angepasst werden. "Bislang war MAI ein virtuelles Unternehmen ohne eigene Verwaltungs-Infrastruktur. Dies hatte zur Folge, dass die Dokumentation der Investitions- und Geschäftsgebarung nur der Meinl Bank Tochtergesellschaft Meinl Airports Managers (MAM) vorlagen und erst jetzt sukzessive der Gesellschaft übergeben werden können. Ohne entsprechende Unterlagen kann auch die Statuserhebung nicht durchgeführt werden", hieß es dazu heute. Erschwert werde diese Übergabe dadurch, dass der bisherige operative Geschäftsführer der MAM, Roman Himmler, überraschend per 27. August 2008 zurückgetreten ist.

Weiters versprach das neue Management, dass MAI künftig mit einem Minimum an Verwaltungsaufwand alle relevanten Dokumente selbst führen wird. Das Board unter der Leitung von Wolfgang Vilsmeier und seiner beiden Stellvertreter Björn Pirrwitz und Hans-Peter Dohr hat deshalb Holger Gantz zum neuen Gesamtprojekt-Koordinator ernannt.
Bereits abgearbeitet wurde ein Teil der vielkritisierten Verbindung zwischen MAI und der Meinl Bank. "Die Market Maker Vereinbarung mit Meinl wurde aufgekündigt. Angebote anderer Banken liegen vor, die für diese Dienstleistung wesentlich vorteilhaftere Konditionen bieten als die Meinl Bank. Die Aktionärsbetreuung wird statt über eine Meinl Bank-Mitarbeiterin zukünftig über das Investor Relations Unternehmen Hochegger Financials abgewickelt. Es erfolgte weiters die Neubestellung Meinl-unabhängiger Rechtsberater und eines neuen, von der Meinl Bank unabhängigen, Administrators der MAI auf Jersey", betonte das Management.

Weiters wurde den Angaben zufolge die "Optimierung" der Veranlagung der aktuellen Cash Positionen der Gesellschaft in Höhe von rund 375 Mio. Euro durchgeführt. Dieses Geld sei aktuell bei nur einer Bank veranlagt. "Dieses Klumpenrisiko wollen wir zukünftig keinesfalls mehr eingehen", so Vilsmeier, "vielmehr wird die Veranlagung zwecks Erzielung besserer Konditionen und zur Risikominimierung im Laufe der kommenden Wochen auf mehrere Banken aufgeteilt werden".

"Putsch"

Von der Meinl Bank hatte es nach dem "Putsch" bei der Hauptversammlung Ende Juli auf der Kanalinsel Jersey geheißen, man poche auf die volle Bezahlung der vertraglich vereinbarten Gebühren. Vilsmeier stellte damals aber schon klar: "Wir stoppen den Cash-Flow an die Meinl-Gruppe." Dass die infolge dramatischer Kursstürze erbosten Meinl-Airports-Investoren die gesamte Führungsriege einer börsenotierten Gesellschaft abmontierten, ist ein Novum an der Wiener Börse. Rund 30 Teilnehmer waren zur HV nach Jersey gereist, darunter viele kritische Stimmrechtsinhaber. Die Teilnahme an der HV in Jersey war kompliziert, zum Schluss gab es auch Pannen mit dem Versand der Stimmformulare durch die Oesterreichische Kontrollbank (OeNB), die sich auf DHL verlassen hatte. Die bisherige Führungsriege (das Board) wurde mit 74,4 Prozent der Stimmen abgewählt. (APA)

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