Henry: "Herzen zurückerobern"

3. September 2008, 12:27
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Ein Großteil von Frank­reichs Hoffnungen ruhen auf Kapitän Henry - Rekordtorschütze einziger Weltmeister im Kader für WM-Quali-Start

Clairefontaine - Nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Frank Ribery und Patrick Vieira ruht ein Großteil der Hoffnungen des französischen Fußball-Nationalteams auf den Schultern von Thierry Henry. Der Stürmerstar des FC Barcelona war zu EURO-Beginn von Oberschenkelproblemen geplagt worden - ein nicht unerheblicher Grund für das frühe EM-Aus. Am Samstag soll das enttäuschende Turnier mit dem Beginn der WM-Qualifikation in Wien für Frankreich aber endgültig zu den Akten gelegt werden.

"Es wird nicht leicht, aber wir müssen die Herzen der Franzosen zurückerobern", erklärte Henry, den Teamchef Raymond Domenech im Camp in Clairefontaine zum neuen Kapitän ernannt hat. Der 31-Jährige ist der einzige Weltmeister von 1998, den Domenech in seinen Kader für das Länderspiel gegen Österreich berufen hat - und damit auch jener mit der größten internationalen Erfahrung. 103 Länderspiele hat der französische Rekordtorschütze bisher bestritten, 45 Treffer sind seine beachtliche Ausbeute.

Verantwortung eine Herausforderung

"Ich habe noch mehr Verantwortung. Es ist eine Herausforderung, aber davor fürchte ich mich nicht", versicherte Henry, der sich Frankreichs junger Generation verbunden fühlt. "Es ist eine neue Generation, aber wir brauchen immer jemanden, der sie anführt. Das ist meine Aufgabe." Im Nationalteam bildet der Barca-Star ein Sturmduo mit Jungstar Karim Benzema, der als legitimer Nachfolger gehandelt wird. Der 20-Jährige von Olympique Lyon hat bei der EURO im Gegensatz zu Henry aber nicht getroffen.

Henry selbst hat keine leichte Saison hinter sich. Im Sommer 2007 war der Goalgetter für 24 Millionen Euro von Arsenal nach Barcelona gewechselt. War "Titi" in London aber noch der unumschränkte Superstar gewesen, so war er in Katalonien nur noch einer unter vielen. Zwölf Ligatore hatte er in der Vorsaison erzielt, für Barca reichte es nur zu Platz drei. Die spanische Presse war dementsprechend schnell mit ihrer Kritik. "Aber damit kann ich leben. Es spornt mich höchstens an", betonte Henry.

Schlechte Kritiken in Spanien

Auch nach dem 0:1 gegen Aufsteiger Numancia zum Start der neuen Saison hatten sich die Medien am Wochenende auf ihn eingeschossen. "Thierry Henry ist eine Bürde", schrieb etwa die Zeitung "El Mundo". Für Frankreich ist er es keinesfalls, eher ein Segen. Von 103 Länderspielen mit Henry hat Frankreich nur elf verloren - drei davon allerdings in diesem Jahr. Schon auf dem Weg zum Titel bei der Heim-WM 1998 war der pfeilschnelle Stürmer mit drei Toren Topscorer gewesen - damals war Henry 20 Jahre alt.

Und heute ist er Kapitän, der neue starke Mann, die Leitfigur des französischen Fußballs. "Es war eine offensichtliche Wahl. "Titi" hat alles, was es braucht - Einfluss auf andere Spieler, Erfahrung und großen Willen. Er bringt seine Nachricht immer rüber", versicherte Domenech in Clairefontaine. Genau dort, wo der Einwanderer-Sohn einer Mutter aus Martinique und eines Vaters aus Guadeloupe einst in der legendären Fußball-Schule das Toreschießen gelernt hatte - vor den Toren von Paris. (APA)

 

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    Nur mehr ein Weltmeister schmückt den Kader des
    Vize-Weltmeisters.

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