Start des GOCE-Satelliten um einen Monat verschoben

8. September 2008, 12:32
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Problem an Trägerrakete verursacht Verzögerung - GOCE soll das Gravitationsfeld der Erde so genau wie noch nie analysieren, selbst Störungen durch Sonnenlicht werden bei Messungen berücksichtigt

Plessezk - Die europäische Weltraumagentur ESA hat den Start der für Mittwoch, 10. September, geplanten GOCE-Mission aufgrund eines technischen Problems der Trägerrakete verschoben. Als neuen Startzeitpunkt nennt die ESA in ihrer Mitteilung vom Montag den 5. Oktober, 16.21 Uhr. Um das Problem zu beheben, muss das defekte Teil an der Rakete ersetzt werden. Hierzu muss der obere Teil der Rakete abmontiert und vom Startfeld des russischen Weltraumbahnhofs Plessezk in den Integrationsraum transportiert werden. Dort wird zunächst die Schutzummantelung, die GOCE umgibt, geöffnet und der Satellit samt Subsystem entnommen. Damit ist der Zugang zur Oberstufe Breeze KM gewährleistet und eine Reparatur derselben möglich. Die Aufgabe von GOCE wird es sein, rund 20 Monate lang exakt das Schwerefeld der Erde vermessen, österreichische Forscher sind an dem Projekt maßgeblich beteiligt.

Genaue Untersuchung

Das Gravitationsfeld liefert den Wissenschaftern ein Abbild der inneren Massenverteilung des Planeten: Denn es gibt Zonen mit mehr oder weniger dichtem Material, die entsprechend stärkere und schwächere Anziehungskraft aufweisen. Dabei sind vor allem Unregelmäßigkeiten interessant, in Kombination mit seismischen Daten lassen sich Rückschlüsse auf die Beschaffenheit im Erdinneren oder auch über Strömungsprozesse ziehen.

In Kombination mit Daten von anderen Satelliten - etwa ERS-2 und ENVISAT - werden die GOCE-Daten auch ein Bild der globalen Meeresströmungen mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich liefern. Die Wissenschafter erhoffen sich dadurch genauere Modelle für den Transport von Wärmeenergie durch Meeresströmungen, wovon etwa Klimaforschung und Wettervorhersage profitieren.

Störungen werden ausgeglichen

Gemessen wird das Schwerefeld an Bord des in einer vergleichsweise niedrigen Umlaufbahn von rund 250 Kilometern kreisenden Satelliten über extrem empfindliche Beschleunigungsmesser. Damit die Einrichtung wirklich nur die Gravitation der Erde bestimmt, müssen andere Einflüsse kompensiert werden. Die Geräte sind nämlich derart empfindlich, dass sich sogar die Sonnenstrahlung bemerkbar macht.

Die Störfaktoren werden laufend erfasst, verrechnet und als Steuersignale an das Antriebssystem weitergeleitet. Das Ionenstrahl-Triebwerk arbeitet dann exakt gegen die Störkräfte, kompensiert sie somit, und die Beschleunigungsmesser nehmen tatsächlich nur noch das Schwerefeld der Erde wahr.

Um die nötige Messgenauigkeit des Hauptinstruments über die gesamte Missionsdauer von knapp zwei Jahren aufrechterhalten zu können, muss dieses in regelmäßigen Abständen überprüft und neu abgestimmt werden. Dazu erzeugt ein sogenanntes Kaltgas-Antriebssystem einen kurzen, definierten Schub, der dann zur Kalibrierung verwendet werden kann. Die elektronische Steuerung dieses Antriebs kommt aus den Labors von Austrian Aerospace.

Österreichischer Beitrag

Von Austrian Aerospace wurde auch die Thermoisolation für GOCE entwickelt. So ist die der Sonne zugewandte Seite des Satelliten Temperaturen von bis zu 145 Grad ausgesetzt, die abgewandte Seite ist wesentlich kühler. Um trotz der starken Unterschiede die Temperatur im Inneren in einem kleinen Schwankungsbereich halten zu können, haben die Forscher unter anderem 30 Schichten metallbedampfter Kunststofffolie zur Isolierung eingesetzt.

Die Unmengen an Daten, die dabei laufend anfallen und zur Erde gesandt werden, werden von österreichischen Wissenschaftern gleichsam gebändigt. Die Auswertesoftware für GOCE wurde am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Graz entwickelt. (APA/red)

  • GOCE hat unter anderem starke Temperaturunterschiede an seinen Außenseiten auszuhalten - die Thermoisolation kommt von Austrian Aerospace.
    foto: esa - aoes medialab

    GOCE hat unter anderem starke Temperaturunterschiede an seinen Außenseiten auszuhalten - die Thermoisolation kommt von Austrian Aerospace.

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