Beauty-Contest der AUA-Führung

3. September 2008, 19:14
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Schlag auf Schlag geht es bei der AUA. Nach den Präsentationen des Managements entscheidet die ÖIAG Mitte des Monats, wer in die nächste Verkaufsrunde zugelassen wird

Wien - Am Mittwoch hat das AUA-Management der angeschlagenen Airline ausgesuchte Interessenten über das Unternehmen und dessen strategischen Ziele informiert. Diese Managementmeetings sind auch am Donnerstag geplant. Bis zum 12. September ist laut ÖIAG die Abgabe der strategischen Konzepte (inklusive Darstellung der Finanzierung und möglicher Transaktionsstruktur) vorgesehen. Das straffe Zeitkonzept der Staatsholding sieht vom 12. bis 16. September die "Evaluierung des Konzeptes" vor. Es folgt am 16. September die Entscheidung über die Teilnahme in die zweite Runde.

Zwölf Bieter haben sich zunächst gemeldet, darunter auch reine Finanzinvestoren, die alleine aber nicht zum Zug kommen. Laut News sind noch sechs Airlines im Rennen: Lufthansa, Air France/KLM, British Airways, Air China, die sibirische S7 und die russische Aeroflot, die zunächst abwinkte und nun offenbar doch mitmachen will.

AUA-Bodenbetriebsratschef Alfred Junghans ist nicht prinzipiell gegen die am häufigsten genannte Lufthansa als Partner, sofern sie "ein passendes Konzept vorlegt". Er wäre aber gegen eine Übernahme, wenn es nur darum ginge, "damit uns sonst kein anderer bekommt", sagte Junghans. Der Betriebsrat kritisiert die Eile, mit der die AUA verkauft werden soll.

"Erst hat es geheißen, die AUA ist saniert, dann haben wir die Millionen von Scheich Al Jaber nicht gebraucht - und jetzt brauchen wir dringend einen Partner", so Junghans. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Partnersuche professionell abläuft. Zuvor hatte sich die Bord-Belegschaftsvertretung für die Air France ausgesprochen.

Jobkürzungen bei Alitalia

Bei der Alitalia sollen rund 4500 Jobs im Zug der Sanierung geopfert werden, darunter rund 500 Piloten, 1500 Flugbegleiter und 2500 Mitarbeiter des Bodenpersonals. "Die Regierung wird den Betroffenen soziale Unterstützung garantieren", betonte der italienische Industrieminister, Claudio Scajola.

Der von der Mailänder Bank Intesa San Paolo verfasste Rettungsplan für die Alitalia soll den Gewerkschaften heute, Donnerstag, vorgestellt werden. Im Zuge der Sanierung sollen gesunde Teile der Alitalia im Wert von zirka 400 Mio. Euro verkauft werden. Die Lufthansa Technik sei an der Übernahme der Alitalia-Bereiche Atitech (Neapel) und an einem Teil der Alitalia-Sparte AMS (ein Joint Venture mit Lufthansa für Wartung und Reparatur) interessiert. Die Flotte der "neuen Alitalia" beträgt 153 Flieger.

Neben Lufthansa und Air France interessiert sich auch British für die sanierte Alitalia. (cr, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.9.2008)

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