Zwischen Mensch und Maschine - Roboter zeigen Gefühle

3. September 2008, 10:22
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Und lösen selbst Gefühle aus - "Heart Robot", eine biegsame Puppe mit Herz, die auf Geräusche, Berührungen und Bewegungen reagiert

David McGoran hält sein Geschöpf wie ein Baby im Arm. Mit großen braunen Augen blickt die Puppe zu ihm auf und umklammert seine Hand mit einem Finger. Schön ist McGorans Kreatur mit ihren Blumenkohlohren und dem schlichten Plastikgesicht nicht unbedingt, faszinierend aber auf jeden Fall. Denn "Heart Robot" ("Roboter mit Herz") ist eine biegsame Puppe, die so programmiert ist, dass sie auf Geräusche, Berührungen und Bewegungen reagiert.

Herzschlag

Auf der linken Körperseite ist ein rotes Herz sichtbar. Der Herzschlag ändert sich, je nachdem wie die Menschen auf die Puppe zugehen - so, als würde das bei dem Roboter ein wohliges Gefühl oder auch Angst auslösen. Instinktive Zuneigung Doch auch die menschlichen Betrachter reagieren auf den kleinen Roboter im weißen Strampelanzug. Bei den meisten löst er instinktive Zuneigung aus - eine völlig normale Reaktion, wie Erfinder McGoran findet. "Wir sind Gefühlsmaschinen, wir können gar nicht anders", sagt der Kanadier, der an der University of West England die Entwicklung von Robotersystemen studiert. "Und dabei vergessen wir, wie leicht wir uns emotional gefangennehmen lassen." Auch deshalb werde sich das Verhältnis der Menschheit zu den Maschinen von Grund auf verändern. "Die Menschen wissen viel über künstliche Intelligenz, aber sie glauben, dass Roboter kalte, berechnende Industrieautomaten sind", sagt McGoran. "In den vergangenen zehn Jahren wurden aber Roboter entwickelt, die das genaue Gegenteil sind."

Emotibots

Ganz ähnlich denkt auch Matt Denton, der ebenfalls an der Entwicklung sogenannter Emotibots arbeitet, also an Robotern, die auf Menschen reagieren. Der 35-jährige Brite ist Gründer der Firma Micromagic Systems, die unter anderem die Animationen für den Kinohit "Harry Potter und der Feuerkelch" produzierte und Musikvideos für die Band Massive Attack aufpeppte. Unter anderem erfand Denton den iC Hexapod: einen Apparat mit sechs Beinen, der Gesichter liest. Die Maschine, die wie eine große Spinne aus Metall aussieht, dreht den Kopf, wenn sie ein Gesicht erkennt, sie weicht zurück, sobald sich jemand nähert, und rückt vor, sobald sich der Betrachter zurückzieht.

Intensiverer Umgang mit Robotern

Auf lange Sicht sei ein intensiverer Umgang mit Robotern geradezu unvermeidlich, sagt Denton: "Ich glaube nicht, dass das die Beziehung zwischen Menschen ersetzen wird, aber ich denke schon, dass Menschen eine engere Bindung zu ihren Robotern aufbauen werden." Filmemacher machen sich diese Neigung schon lange zunutze. In diesem Sommer startete in den USA der neue Pixar-Animationsfilm "Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf" in den Kinos. Die Hauptfigur ist ein kleiner Roboter mit großen Glubschaugen, der auf der verlassenen Erde treu und brav sieben Jahrhunderte lang Ordnung hält, bis ein weiblicher Android sein einsames Dasein durcheinanderwirbelt.

Immer mehr Filme über Roboter

In den USA verliebten sich die Kinozuschauer sofort in die genügsame Blechkiste mit dem empfindsamen Herzen, in Deutschland läuft der Film Ende September an. Auch sonst gibt es genügend Beispiele für gefühlvolle Roboter in der Filmgeschichte: etwa das Robotergespann C-3PO und R2D2 aus "Star Wars", Dewey und Huey aus "Silent Running" oder KITT, das sprechende Auto, aus der Fernsehserie "Knight Rider". Im echten Leben behandelten viele Menschen ihr Familienauto ja auch schon geradezu liebevoll, sagt Denton. "Wenn Roboter so etwas wie emotionale Reaktionen zeigen, werden die Menschen Zuneigung zu ihnen entwickeln."(APA/Phil Hazlewood/AFP)

 

 

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    "Heart Robot" - ein biegsamer, anschmiegsamer Roboter, der auf Bewegungen und Gefühle reagiert.

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