Haiti: Nun bringt Sturm "Hanna" Zerstörung

3. September 2008, 08:06
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In New Orleans dürfen die Menschen jetzt wieder in ihre Häuser zurück, nachdem "Gustav" vorbeigezogen ist

 
Port-au-Prince/New Orleans - Kaum ist der Hurrikan "Gustav" über die Karibik und Louisiana gebraust, sind in Haiti bereits wieder mindestens 19 Menschen durch den Tropensturm "Hanna" ums Leben gekommen.

Zehn Menschen starben in der Küstenstadt Gonaïves. Haitis Präsident René Préval bat um internationale Hilfe. Gonaïves stehe völlig unter Wasser, teilweise bis zu drei Meter hoch, berichtete Bürgermeister Stephen Moïse. In umliegenden Ortschaften sei es ebenfalls zu Überflutungen gekommen. Das Ausmaß des Unglücks sei noch nicht zu erfassen, da das Gebiet wegen des Hochwassers nicht zu erreichen sei.

Schwenk nach Süden auf Kuba

Der mit einem Durchmesser von über 700 Kilometern riesige Tropensturm "Hanna" befand sich in der Nacht zum Mittwoch (Ortszeit) südlich der Turks- und Caicosinseln, die er zuvor als Hurrikan überquert hatte. Wie das US-Hurrikan-Zentrum in Miami weiter mitteilte, machte der Sturm zunächst einen Schwenk nach Süden auf Kuba und den Norden Haitis zu, und am Abend wieder Richtung Nordwesten abzudrehen und die Bahamas und die US-Ostküste zu bedrohen.

In seinem Zentrum entwickelte Hanna Windgeschwindigkeiten von 100 Stundenkilometern. Bereits in der Vorwoche waren in Haiti und in der Dominikanischen Republik durch Hurrikan "Gustav" mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen. Die nächsten Wirbelstürme, "Ike" und "Josephine", haben am Mittwoch bereits Kurs auf die Karibik genommen.

In New Orleans gehen unterdessen nach Hurrikan "Gustav" die Aufräumarbeiten weiter. Bürgermeister Ray Nagin warnte die Menschen davor, zu früh in die fast vollständig evakuierte Stadt zurückzukehren. Offiziell dürfen die zwei Millionen Hurrikan-Flüchtlinge heute, Donnerstag, wieder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Viele Menschen sind verärgert und werfen den Behörden vor, überreagiert zu haben. Sturm "Gustav" hat sich im Landesinneren inzwischen weiter zu einem Tiefdruckgebiet abgeschwächt.

Stürme werden stärker

Die Erderwärmung führt laut einer Studie der Florida State University zu deutlich gefährlicheren Wirbelstürmen. Ein Anstieg der Meerestemperatur um ein Grad Celsius in den Tropen könne die Zahl der stärksten Stürme um fast ein Drittel ansteigen lassen, berichteten US-Forscher in der neuesten Ausgabe von Nature. Die Wissenschafter werteten Daten aus den Jahren 1981 bis 2006 aus dem Atlantik, dem Pazifik und dem Indischen Ozean aus. Dabei stellten sie zwar keine erhöhte Zahl von Stürmen fest, wohl aber eine deutliche Zunahme der Windgeschwindigkeiten. "Weil sich das Meer erwärmt, muss der Ozean mehr Energie in Wind umwandeln." Eine Ausnahme ist der Südpazifik, wo die Wassertemperatur bereits jetzt schon höher ist als in den anderen Meeren. (AFP, dpa/ DER STANDARD Printausgabe 4.9.2008)

 

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    In zwei bis drei Tagen könnte der Wirbelsturm "Hanna" die Ostküste von Floria, Georgia oder South Carolina erreichen

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