Pater Abel und der Antisemitismus- Jesuiten gehen auf Distanz

2. September 2008, 19:07
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Denkmal für umstrittenen Pater Abel in Mariazell noch immer ohne Zusatztafel - Von kirchlicher Seite war man lange bemüht, das Bild des Seelsorgers zu wahren

 Der Grund, warum ein Jahr nach der Ankündigung immer noch keine kritische Zusatztafel das Denkmal des ob seiner antisemitischen Äußerungen umstrittenen Jesuitenpaters Heinrich Abel in Mariazell ziert, liegt ganz offensichtlich in der steirischen Stadtgemeinde selbst. Dort hat der Gemeinderat im Dezember des Vorjahres über ein Ansuchen des Jesuitenordens hinsichtlich einer Zusatztafel abgestimmt. Und man kam zu dem Ergebnis, dass es weitere Nachforschung brauche. Offen bleibt aber, was man in Mariazell rund um Pater Abel noch zu erforschen plant, ÖVP-Bürgermeister Helmut Pertl war für eine Stellungnahme am Dienstag nämlich nicht erreichbar.

Erklärende Tafel

Vonseiten des Jesuitenordens hat man aus Mariazell seit Oktober 2007 nur mehr gehört, dass das schriftliche Ansuchen eingelangt sei. "Uns wäre eine erklärende Tafel sehr wichtig. Aus heutiger Sicht ist völlig klar, dass solche Aussagen eines Ordensbruders über das jüdische Volk nicht gehen. Das ist nicht in Ordnung gewesen und wir bitten um Vergebung", stellt Pater Thomas Neulinger, Pressesprecher der Jesuiten, im STANDARD-Gespräch klar.

Zumindest an einem anderen Ort, an dem der "Männerapostel von Wien" bist dato kritiklos gewürdigt wurde, folgt die nötige Distanz jetzt rascher als im Wallfahrtsort: In der Wiener Augustinerkirche. Dort befindet sich das Grabmal sowie ein Denkmal Pater Abels, und es werde noch im Herbst eine Zusatztafel geben, verspricht Pater Neulinger.

Von kirchlicher Seite war man lange bemüht, das Bild von Pater Abel - er wirkte am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts - als katholischer Seelsorger, der höchst erfolgreich Männerwallfahrten nach Mariazell organisierte, zu wahren. Dass dieser auch immer wieder gegen Juden auftrat und seine Predigten von antisemitischen Bemerkungen durchsetzt waren, wurde gern ignoriert. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD; Printausgabe, 3.9.2008)

 

Nachlese
Mariazell: Wallfahrt zum Antisemiten- Pater-Abel-Denkmal weiter ohne Zusatztafel

 

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