Archetypen aus Mozarts Labor

2. September 2008, 19:03
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Mozart seine dreistündige Opera buffa "La finta semplice" im Wiener Theater in der Walfischgasse

Dass Mozart seine dreistündige Opera buffa La finta semplice bereits mit zwölf Jahren schrieb, klingt umso erstaunlicher, wenn man sich in der Aufführung vergegenwärtigt, wie souverän er schon damals die verschiedenen Facetten des Begehrens - von echter Liebe bis zur Intrige - in Musik übersetzte. Die von Petrus Herberstein als szenischem und musikalischem Leiter geführte opera piccola, die Mozarts Jugendwerk im Wiener Theater in der Walfischgasse auf die Bühne bringt, versetzt die Protagonisten dabei in eine Art Laborsituation.

Komplett in Weiß gekleidet und gestisch mit markanten, stellenweise holzschnittartigen Gesten arbeitend erscheinen die ganz in der Tradition der Commedia dell'Arte stehenden Figuren wie Archetypen von Mozarts späteren Opernhelden. Gesanglich dominiert das Dreieck um das ungleiche Brüderpaar Don Cassandro und Don Polidoro sowie die schlaue Rosina, welche die beiden vor sich hertreibt und zum Narren hält. Martin Felber kultiviert mit seinem sonoren Bariton den Grant des Frauenverächters Don Cassandro und zeigt so zugleich die Machtstellung, die er gegenüber seinem Bruder (Sebastian Fuchsberger) besitzt. Dieser leidet zwar unter seiner Einfalt und seiner unerfüllten Liebessehnsucht, rein stimmlich ist sein heller, klarer Tenor ihm jedoch ebenbürtig. Eva Kupfermüller als schlaue Heuchlerin Rosina hält nicht nur auf der Bühne die Fäden in der Hand, auch stimmlich dominiert ihr markanter Sopran das Geschehen. (spou/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 9. 2008)

>> Stadttheater Walfischgasse, 1010 Wien, 3., 5., 6., 8., 9. u. 11. 9., jeweils 19.00 Uhr

  • Holzschnitt-artige Gestik: Rita Nikodim und Ivo Michl (li.) in Mozarts "La finta semplice" ("Die verstellte Einfalt").
    foto: barbara pálffy

    Holzschnitt-artige Gestik: Rita Nikodim und Ivo Michl (li.) in Mozarts "La finta semplice" ("Die verstellte Einfalt").

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