Heiße Schlacht um einen Hobbykoch

2. September 2008, 18:48
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Die Demonstranten, die seit einer Woche wieder Samaks Amtssitz belagern, fordern seinen Rücktritt; die Landbevölkerung vor allem aber verteidigt den Regierungschef

"Schweinsfüße in Coca-Cola" (fünf Schweinsfüße, vier Flaschen Cola, Shitake-Pilze, Fischsauce und Koriander, alles drei Stunden kochen) und - vielleicht weniger aufregend - "Samaks gebratener Reis" (ein halbes Kilo Huhn, ebenso viel Schinken, zehn Chilischoten, wieder Fischsauce, sehr viel Reis) gehören zum Standardrepertoire von Thailands Premierminister Samak Sundaravej, einem politischen Rechtsausleger und zeitweiligen Fernsehkoch.

Um den 73-Jährigen dreht sich nun alles in Bangkok: Die Demonstranten, die seit einer Woche wieder Samaks Amtssitz belagern, fordern seinen Rücktritt; die Landbevölkerung vor allem aber verteidigt den Regierungschef. Er selbst vertritt erklärtermaßen den einen großen Mann im Hintergrund: Thaksin Shinawatra, Südostasiens Ausgabe von Silvio Berlusconi. Der Medienmogul und Milliardär war bis 2006 Thailands Premierminister; dann putschte ihn das Militär aus dem Amt.

Dass Samak Sundaravej, der Stellvertreter, sein langes politisches Leben hindurch Auseinandersetzungen mit dem Gegner mit scharfen, ausfälligen Worten zu würzen pflegte, hilft ihm jetzt nicht gerade. Er ist ein leichtes Ziel für die Koalition aus intellektuellen Städtern und Gewerkschaftern, die mit dem Thaksin-System aufräumen wollen.

Samak war praktisch schon im Ruhestand und moderierte seine Kochsendung, als er vor einem Jahr gebeten wurde, die People Power Party in den Wahlkampf zu führen. Das Comeback des Kommunistenfressers und einstigen Gouverneurs von Bangkok scheint nun bald zu Ende. Nicht nur die lange Auseinandersetzung mit den Thaksin-Gegnern macht ihm zu schaffen und zwang ihn, mit der Ausrufung des Notstands beim Militär Schutz zu suchen: Auch gegen seine Partei selbst läuft ein Verfahren - die Auflösung droht.

Samak, der Jus in Bangkok studierte, war lange ein Anhänger des Militärs, treuer Monarchist und stets im rechten Spektrum zu finden. 1976 machte er sich als Vize-Innenminister einen Namen, als er "linke Aktivisten" verhaften ließ und später im Radio eine Hetzkampagne gegen die "Kommunisten" begann. Er wird mitverantwortlich gemacht für den Tod von 46 Studenten, die im Oktober 1976 von einem Mob erschlagen wurden.

Samak wurde Innenminister der nächsten Militärregierung. 1992 wiederholte sich das Szenario: Offiziell starben 52 Menschen bei der Niederschlagung prodemokratischer Proteste. Samak war damals Vizepremier. (Markus Bernat, DER STANDARD; Printausgabe, 3.9.2008)

 

 

  • Thailands Premier Samak geht mit dem Notstand gegen seine Gegner vor.
    Foto: EPA/NARONG SANGNAK

    Thailands Premier Samak geht mit dem Notstand gegen seine Gegner vor.

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