
David Byrne und Brian Eno, die großen alten Avantgardisten des Pop, entdecken die Freuden des normalen Lebens. Hier ist etwas faul.
Wien - Die immergrüne Jugend. Zeit der Flucht. Wer nicht vom Jungsein kommt: Holt mich hier raus! David Byrne und Brian Eno muss man sich als zwei der seit vier Jahrzehnten einflussreichsten Künstler im avantgardistisch gedeuteten Pop-Genre vorstellen. Sie verweigern konsequent, intellektuell wie haptisch, heimisch zu werden. Immer auf der Suche. Niemals am Ziel. Irrungen, Wirrungen, Weltmusik, Rock 'n' Roll als bildnerische Erziehung.
Im Falle Brian Enos bedeutet das: Gemeinsam mit Kunsthochschul-Kollege Bryan Ferry in London Anfang der 70er-Jahre erfand Eno als Soundvisionär die Band Roxy Music. Unter besonderer Berücksichtigung von Glam und deutschem Schlager - und eines erstmalig im Pop unternommenen ironischen Bruchs mit seiner Geschichte. Weiters ist Eno heute längst sämtliche anonyme elektronische Zukunftsforschung auf dem noch dazu erst viel später erfundenen, singenden und klingenden Laptop zuzuschreiben. Wir sprechen von vordergründig nutz- und zweckloser, heute in Fahrstühlen und Frühstücks-Lounges gängiger "Ambient Music". Als Stichwort für die CD-Suche gilt Music for Airports aus dem Jahr 1978 und dessen Folgen. Und auch die halldurchwirkten Dreiklangszerlegungen von U2 und zuletzt Coldplay gehen auf sein Konto. Keine Vernissage ohne singende Staubsauger. Kein Friede ohne Bono.
Bezüglich David Byrne muss man nur eines sagen. Ob später solo - oder bis in die 90er-Jahre mit den Talking Heads: Er erweiterte seit den späten 70er-Jahren endgültig populär gewordene subjektive Schilderungen von Entfremdung und dazugehörigen Neurosen hinein in den breiten Markt. Masse war machtlos. Die Familie ein Sarg. Das Eigenheim ein Strick. Und Gitarrensoli waren verboten.
Der letzte Humor ist der Galgenhumor. Zur zickigen, knappen und mild-hysterischen Musik seiner Band Talking Heads prägte er mit Alben wie More Songs About Buildings And Food den Sound einer Generation. Wir sprechen von sich "urban" definierenden, schnell, aber im Lebensstil treulosen wie unbehausten Zeitgenossen. Diese folgten ihm bis zu den postmodern und multimedial erzählten True Stories. Eine scheinbar sensible und satirische Film-Hommage auf die "einfachen Leute" vom Land. Sie stößt noch immer auf.
Milder Triumph
Nachdem Eno und Byrne mit dem Talking-Heads-Album Remain In Light und schließlich 1981 mit der Duoarbeit My Life In The Bush Of Ghosts heute inflationär abgekupferte Maßstäbe setzten, wenn es darum geht, Pop-Reflexionen mit Found-Footage und Cut-Up-Technik, afrikanischer Polyrhythmik sowie der Melodienseligkeit Enos zu verschränken, ging man getrennte Wege. David Byrne wurde obskur. Brian Eno definiert mit U2 und Coldplay bis heute die avanciert-verhallte und pathetisch Richtung Interio behübschte Zierkissen- und Weltverbesserungs-Rockmusik.
Mit dem Download-only-Album Everything That Happens Will Happen Today gerät die erste Zusammenarbeit seit 27 Jahren nun zum milden Triumph. David Byrne singt zur über die Jahrzehnte geglätteten, heute wieder hochaktuellen Afro-Funk-Fusion oder zu elektronisch verfremdeten Country-Walzer-Klängen in Zeiten der Hoffnungslosigkeit und globalen Endzeitstimmung den elektronischen Gospel. Und er stimmt das selbstverständlich ironisch gemeinte Loblied auf das Land an, auf die Familie und auf ein Leben mit Diebstahlsicherung und Überwachungskameras. Vorsicht, Falle!
Brian Eno bettet das Ganze genüsslich auf akustische Flokatiteppiche. Darin, so hören wir gleich während der Götternummer Home, haust nicht nur der Lurch. Dort liegt auch jenes scheinheilige und doppelsichtige Zeltfest-Pathos begraben, das ein Leben nicht nur auf dem Land erst erträglich macht. (Christian Schachinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 9. 2008)
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Die musik ist nicht erwähnenswert. byrne macht eh seit geraumer zeit kaum was halbwegs aufregendes. was eigentlich am meisten schmerzt:
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Also ein richtiges Designertool für das Tesignerregal des hippen Popgeschichtsbewußten Tesigneragenturmitarbeiters mit iBook und iCar.
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