Internet-Betrüger plündern immer mehr Online-Konten

2. September 2008, 18:05
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Stellt am Ende des ersten Absatzes richtig: Nur Bitkom fordert eine Gesetzesverschärfung, nicht das BKA.

Immer mehr Nutzer von Online-Banking werden von Internet-Betrügern bestohlen. Mit rund 4100 geplünderten Konten sei im vergangenem Jahr ein neuer Spitzenwert registriert worden, teilten der Branchenverband Bitkom und das Bundeskriminalamt (BKA) am Dienstag in Berlin mit. Die Methoden der Betrüger würden dabei immer raffinierter. Zum Schutz der Internet-Nutzer forderte Bitkom schärfere Gesetze. Das BKA trat für eine Weiterentwicklung der Prävention ein.

Zwar sei im laufenden Jahr bisherigen Hochrechnungen zufolge mit einem Rückgang der Fälle zu rechnen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Allerdings gebe es Anzeichen, dass Kriminelle neue Sicherheitsmaßnahmen von Banken bereits wieder überwinden könnten. Damit sei ein Anstieg der Online-Kriminalität auch in diesem Jahr nicht auszuschließen.

"Letztendlich liefern wir uns eine Art Wettrennen mit den Kriminellen", sagte Bitkom-Präsidiumsmitglied Dieter Kempf. 2007 sei die Zahl der Diebstahl von Bank-Geheimzahlen - das sogenannte Phishing - um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, sagte Kempf. Dabei sei ein Schaden von 19 Millionen Euro entstanden. Dies sei aber nur die Spitze des Eisbergs, ergänzte Ziercke mit Blick auf die Dunkelziffer. Neben den 4100 Phishing-Fällen seien zudem weitere 4800 Datenausforschungen registriert worden.

Der bislang statistisch erfasste Rückgang liege möglicherweise daran, dass Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr ein neues Sicherheitssystem für Online-Banking (eTan) eingeführt haben. Allerdings seien bereits drei Spionageprogramme im Umlauf, die auch gegen eTan eingesetzt werden könnten, sagte BKA-Chef Ziercke. In Deutschland nutzten die Internet-Betrüger fast ausschließlich im Hintergrund laufende Spionageprogramme. Die früher üblichen gefälschten Bank-Mails mit der Aufforderung, die geheimen Zugangsdaten anzugeben, würden kaum noch angewandt.

"Die Täter haben sich immer weiter spezialisiert. Sie wirken arbeitsteilig zusammen, sie kennen sich persönlich aber nicht mehr", sagte Ziercke. Sie müssten auch nicht zwangsläufig Spezialisten sein. Die Spionageprogramme könnten auf dem schwarzen Markt besorgt werden. Die Sicherheitsmaßnahmen müssten ständig weiterentwickelt werden. Der BKA-Chef empfahl bei Online-Banking Virenschutz-Programme, Schutzverfahren der Banken und Vorsicht im Internet.

Dringend nötig sei eine Gesetzesverschärfung gegen Phishing, forderte Kempf. Bislang könne die Polizei beim Kontodaten-Klau erst aktiv werden, wenn der Schaden eingetreten sei. "Schon der Versuch muss bestraft werden." (Reuters)

 

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