Kauf mich jetzt gleich

2. September 2008, 17:59
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"Crossmedial" lautet das Schlagwort moderner Werbung, die die Käufer erst ins Lustzentrum trifft und dann gleich am Schopf packen will

Ein Problem der Werbung ist die Mittelbarkeit, der sie sich beugen muss: Bis der vom Spot inspirierte Konsument im Supermarkt steht, wo er die am Vorabend angepriesene Topfencreme, Drei-Lagen-Schokolade oder Schlankheitsflocken kaufen könnte, ist der Appetit schon wieder vergangen, und auch die große Kauflust ist vorbei.

Wie viele Milliarden gehen der Wirtschaft wohl durch die Lappen, allein weil die Bedürfnisse, welche von der Werbung übers Fernsehen im Konsumenten geweckt werden, nicht unmittelbar befriedigt werden können! Der Weg zum Kauf ist allzu weit, lässt dem Verstand zu viel Zeit einzugreifen, zu überdenken. Doch das kann sich nun ändern.

"Crossmedial" lautet das Schlagwort moderner Werbung, die die Käufer erst ins Lustzentrum trifft und dann gleich am Schopf packen will. Seit einer Woche läuft der "erste interaktive", crossmediale Werbespot im ORF. Darin sieht man nicht nur den Lack des neuen Peugeot 308 SW glänzen, eine Einblendung weist den Zuseher auf die Möglichkeit hin, zusätzliche Inhalte im Multitext abzurufen. Der Interessent steigt also mit der Fernbedienung in ein Produktportal ein, das ihn sogleich mit ausführlichen Informationen über das Auto füttert.

>Den Kunden "direkter ansprechen" nennen das die Werbevisionäre bei Peugeot, denn der Link zum nächsten Verkäufer ist so rasch gelegt. In Zukunft können wir also während des Hauptabendspielfilms auf die Werbeunterbrechungen gleich mit Kauf reagieren, Autos, Hundefutter und Keksvorräte direkt bestellen. Was bloß, wenn der Appetit am nächsten Morgen vergangen ist? (ih/DER STANDARD; Printausgabe, 3.9.2008)

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    foto: omd
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