Radikale Tifosi bringen Berlusconi in Verlegenheit

2. September 2008, 17:50
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Massive Kritik an Regierung nach Fan-Randale in Zug

Die Ausschreitungen gewalttätiger Fans des FSC Napoli bringen Italiens Regierung in Verlegenheit. Die großen Zeitungen des Landes übten am Dienstag massive Kritik am Verhalten des Kabinetts. La Repubblica warf dem Staat „Kapitulation" vor. Im Corriere della Sera kritisierte der Schriftsteller Claudio Magris die „Verantwortungslosigkeit" der Regierung. Die zeige „Stärke gegen die Schwachen und Nachsicht gegen organisierte Kriminelle" empörte sich La Stampa.

Dass 1500 radikale Tifosi, wie die Fußballfans genannt werden, in Neapel ungestraft einen Intercity-Zug nach Rom kapern, Passagiere zum Aussteigen zwingen und Sachschäden von mehr als einer halben Million Euro anrichten konnten, empört Italiens Öffentlichkeit. Innenminister Roberto Maroni von der Lega Nord, der die Sicherheit zum obersten Prinzip der Regierung erhoben hatte, zeigte sich am Dienstag genervt und versprach „drakonische Maßnahmen".

Sein Staatssekretär Alfredo Mantovano räumte ein, es habe eine „Kette von Anomalien" gegeben. Oppositionschef Walter Veltroni nutzte die Gelegenheit zu einer Attacke auf die Regierung, die ein „klägliches Bild" abgebe. Dass die sechs festgenommenen Rowdys umgehend aus der Haft entlassen wurden, sei „ein handfester Skandal." Auch die Berlusconi-eigene Tageszeitung Il Giornale ging mit der Regierung hart ins Gericht: „Armer Staat, der das mit Beendigung der Müllkrise in Neapel gewonnene Ansehen so leichtfertig verspielt." (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2008)

 

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