"Kaffee boomt weltweit als Trendgetränk"

2. September 2008, 17:39
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Der Preis für Kaffee klettert seit Jahren nach oben, der Verbrauch allerdings auch. Rund ein Drittel des Preisanstieges geht auf Spekulationen zurück, sagt der Kaffee-Experte Gerald Steger im Interview

STANDARD: Der Preis für Kaffee steigt kontinuierlich - hat sich seit 2004 im Großhandel verdoppelt. Spiegelt sich das im Verbrauch wider?

Steger: Nein. Im Gegenteil, der Kaffeeverbrauch steigt. Kaffee boomt weltweit als Trendgetränk. Vor allem in China und Indien wird verstärkt Kaffee getrunken.

STANDARD: Was treibt den Preis für Kaffee so stark nach oben?

Steger: Dafür gibt es mehrere Gründe. Der Klimawandel geht auch am Kaffee nicht vorbei. Daher gibt es verstärkt Schwankungen bei der Ernte und der Qualität. Die Ernteprognosen werden immer schwieriger. Für heuer wird ein gutes Jahr erwartet, der Preis sollte sich also stabilisieren. Große Preissprünge gibt es vor allem witterungsbedingt. Man kann sagen, dass es beim Kaffee einen natürlichen Zwei-Jahres-Zyklus gibt. Auf jedes gute Jahr folgt ein schwierigeres.

STANDARD:  Wie stark beinflussen Spekulanten den Kaffeepreis?

Steger: Kaffee ist nach Erdöl das wichtigste Welthandelsprodukt und das interessiert auch Spekulanten. Kaffee liegt als Spekulationsobjekt im Trend. Vom letzten Preisanstieg (von 106 US-Cent pro halbem Kilo im Juli 2007 auf 132 US-Cent im Juli 2008; Anm.) gehen rund 30 Prozent auf Spekulationen zurück. Kommt hinzu, dass Kaffee als Rohstoff limitiert ist. Über Internetportale können mittlerweile sogar Kleinanleger mit Kaffee Geschäfte machen.

STANDARD: Schwankungen beim Ölpreis spürt der Konsument an der Tankstelle relativ rasch. Wie sieht das beim Kaffee aus? Kann man den erhöhten Preis an die Konsumenten weitergeben?
Steger: Das ist schwierig. Man kann das nur in bestimmten Stufen und zeitlichen Schritten an die Kunden weitergeben. Der Kaffeepreis im Handel kann nicht so schwanken wie der Benzinpreis an der Tankstelle. Die gestiegenen Preise haben bisher niemanden abgehalten, Kaffee zu trinken.

STANDARD: Wie viel vom Preisanstieg bekommen die Kaffeebauern?

Steger: Das hängt von der Qualität und der Vermarktung ab. Grundsätzlich kann man sagen, dass sie schon etwas davon bekommen. Viele Kaffeebauern haben bereits Zertifikate, die gewisse soziale Standards auf den Plantagen regeln. Die Wertschöpfungskette bei Kaffee ist aber lang und leitet sich auf viele Stufen ab.

STANDARD: Wie ist das heurige Jahr für Café+Co gelaufen?

Steger: Eigentlich gut. Der Umsatz ist um mehr als 15 Prozent gestiegen. Wir haben heuer erstmals mehr als 450 Millionen Kaffee-Portionen verkauft und werden im nächsten Jahr die Marke von einer halben Milliarde überschreiten.

STANDARD: Sie sind Kaffee-Experte, führen auch Verkostungen durch. Wie viele Tassen trinken Sie täglich?

Steger: Im Durchschnitt fünf. Am liebsten von der Sorte "Jamaica Blue Mountain" , der schmeckt mild, hat aber eine einzigartige Fülle. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2008)

Zur Person:

Gerald Steger (48) ist seit zehn Jahren Geschäftsführer des Kaffee- und Automatencaterers Café+Co. Mit 20 Tochtergesellschaften und 1100 Mitarbeitern ist man in zwölf Ländern tätig. In seiner Freizeit geht Steger gerne bergsteigen.

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