Russlands Hockey in neuer Umlaufbahn

2. September 2008, 17:47
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24 Teams spielen in der KHL um den Gagarin Cup - Gasprom und Co befeuern Millionen-Liga, Österreichs Beitrag heißt Andre Lakos

Moskau/Wien - Mit einem 4:2 von Dinamo Riga bei Amur Chabarowsk hob am Dienstag an der Grenze zu China die Kontinentale Hockey Liga (KHL), die neue russische Eishockey-Meisterschaft an. Der Nachfolgebewerb der rein russischen Superliga ist nach Vorbild der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) organisiert, ist dieser in puncto Mitteleinsatz und Stardichte auf den Fersen und schließt je ein Team aus Weißrussland, Kasachstan und Lettland ein.

24 Mannschaften absolvieren in vier Divisionen zunächst jeweils 54 Partien im Grunddurchgang. Die 16 besten bestreiten die Playoffs, in der Finalserie (best of seven) geht es um den nach dem sowjetischen Weltraumpionier Juri Gagarin benannten Cup.
Mit dabei ist Andre Lakos und also auch ein Österreicher. Der 29-jährige Teamverteidiger, vom schwedischen Klub Färjestads BK zu Traktor Tscheljabinsk gewechselt, beginnt seine Saison am Mittwoch mit einem Heimspiel gegen Sewerstal Tscherepowez.
Lakos, der seine Profikarriere 1999 als Draft der New Jersey Devils begonnen hatte, aber nie in der NHL zum Einsatz kam, nennt die KHL "sehr professionell" und "sicher die zweitstärkste Liga der Welt. Aber mit der NHL kann sie nicht mithalten."

Topverdiener Jágr

Russische Unternehmensgiganten, allen voran Gasprom, sorgen zumindest für abseits der NHL unerreichte Budgets. Die Topteams kalkulieren mit 35 Millionen Euro pro Saison. Die Gehaltsobergrenze für die 25-Mann-Kader liegt bei 17,1 Millionen. Für vier herausragende Spieler dürfen die Klubs, denen jeweils fünf Legionäre zugestanden werden, insgesamt 4,4 Millionen ausgeben.

Awangard Omsk steckt diese Summe zur Gänze in den Star der Liga, in den 36-jährigen Tschechen Jaromír Jágr. Der beste europäische Torjäger, der jemals in der NHL spielte, kassiert beim sibirischen Team damit um umgerechnet 925.000 Euro weniger als zuletzt bei den New York Rangers, die den Vertrag ihrer Nummer 68 nicht mehr verlängern wollten.
Der zweimalige Stanley-Cup-Sieger (1991 und 1992 mit den Pittsburgh Penguins) ist nur einer von 34 NHL-Spielern der vergangenen Saison, die in der KHL mitwirken, darunter Jágrs Landsleute Jaroslav Modrý, Karel Rachunek oder Josef Vašíćek, die Slowaken Jozef Stümpel, Marcel Hossa, Ladislav Nagy und Branko Radivojević, der Finne Niko Kapanen sowie der dreifache russische Stanley-Cup-Sieger Sergej Brylin. Aber auch US-Amerikaner und Kanadier schmücken die Liga, darunter der aktuelle Stanley-Cup-Sieger Mark Hartigan aus Detroit sowie Chris Simon und Michael Ryan, die in der Vorsaison noch mit Thomas Vanek für die Buffalo Sabres wirkten.

NHL und KHL  kamen überein, Spieler mit gültigen Verträgen nicht abzuwerben. Uneingeschränkt kann die KHL aber in Europa werken. Eine Ausweitung nach Westen ist das Ziel. Spekulationen, Red Bulls Salzburg könnte alsbald mitmischen, erteilte Dietrich Mateschitz aber jüngst eine Absage. Die ganze Konzentration gilt der Titelverteidigung in Österreich. Die Meisterschaft beginnt am 19. September. (APA, lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE - 3.9. 2008)

 

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    Die 68 schmückt Jaromír Jágr auch bei Awangard Omsk.

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