Schwätzen in der Sportschule

2. September 2008, 17:32
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Die österreichischen Fußballer machen sich mit Karel Brückners Taktik und Ideen vertraut. Andreas Ivanschitz ist und bleibt stolzer Kapitän

Lindabrunn - Die Stimmung im österreichischen Nationalteam ist laut Martin Stranzl "immer hervorragend" . Man lasse sich die gute Laune nicht einmal durch Niederlagen versauen. Vielleicht mag gerade das ein Problem des heimischen Fußballs sein, Stranzl wollte diese These freilich nicht bestätigen. Möglicherweise ist es in der Nationalmannschaft tatsächlich lustiger als bei Spartak Moskau.

Es war ein sonniger Dienstag in der Sportschule Lindabrunn, das gegenseitige Kennenlernen schreitet voran, Teamchef Karel Brückner versucht, seine Ideen zu vermitteln. Ob die Botschaften ankommen, wird das WM-Qualifikationsspiel im Happel-Stadion gegen Frankreich am Samstag weisen. Und auch der Kick in Litauen am 10. September. Brückner wird das System insofern ändern, als die Abwehr, eigentlich die gesamte Mannschaft (Tormann ausgenommen), tiefer stehen wird. Um dann Konter zu setzen.

Frankreich wird quasi eingeladen, das Spiel zu gestalten, freilich sind die Franzosen nicht dazu verpflichtet. Brückners Vorgänger Josef Hickersberger bevorzugte eher das Pressing, also das frühzeitige Attackieren des Gegners. Dieser Stil schaut irgendwie attraktiver aus, schützt aber nicht vor Niederlagen. Ergebnisse hängen unmittelbar mit den Qualitäten der handelnden Personen zusammen. Der Fan sollte das Team trotzdem wiedererkennen, zur Absicherung sind die Familiennamen auf den Rückseiten der Dressen abzulesen.

Der sonnige Dienstag in Lindabrunn war auch der Tag nach der Wahl. Andreas Ivanschitz schaute überhaupt nicht finster drein. Er wurde von den Kollegen als Kapitän bestätigt. Hut ab vor so viel Psychologie. Was man seit fünf Jahren hat (die Schleife), soll nicht binnen fünf Minuten genommen werden. Hätten sie ihn abgewählt, frage nicht, der 24-jährige Ivanschitz wäre schockiert gewesen. In so einem Zustand lässt es sich gegen Frankreich und generell nicht leicht Regie führen, wobei der Panathinaikos-Legionär zuletzt auch nicht schockiert überfordert wirkte. Andreas Herzog sagte: "Die Bestätigung war für ihn ein wichtiges Erfolgserlebnis. Er braucht das." In Griechenland hat Ivanschitz im Moment nicht die besten Karten, er wird nur sporadisch eingesetzt. "Ich weiß auch nicht, warum. Ich werde aber kämpfen, die Saison hat erst begonnen. Ich bin von meiner Stärke überzeugt." Die Diskussion um die Kapitänswürde empfand Ivanschitz als "medial hochgespielt. Jetzt ist endlich Ruhe."

Ansichtssache

Noch nicht ganz. Denn darüber, wie die Wahl zustande gekommen ist, herrschte Uneinigkeit. Brückner bot quasi vier Listen an, Ivanschitz, Stranzl, Rene Aufhauser und Emanuel Pogatetz. Stranzl sprach von Einstimmigkeit für Ivanschitz. Ohne Wahl. Rene Aufhauser berichtete hingegen von einer richtigen Abstimmung. Name geheim auf Zettel schreiben und die Stimmen auszählen. Ivanschitz bestätigte Aufhauser. "Ich bekam die Mehrheit."
Wahlbetrug ist auszuschließen, Aufhauser sagte auch: "Wir brauchen auf dem Platz viele Chefs. Ivanschitz ist ein guter Kapitän. Jeder muss mehr Verantwortung übernehmen." Herzog bemängelte abermals den zu freundlichen Umgang untereinander. "Da gehört mehr geschrieen, man soll sich öfter die Meinung sagen."

Und so war der sonnige Dienstag in Lindabrunn auch schon wieder vorbei. Ein heiterer Mittwoch wird folgen. Die Spieler werden von Brückner mit Informationen über Frankreich eingedeckt. Herzog: "Wir dürfen uns mit der Außenseiterrolle nicht zufriedengeben. Minimalziel ist ein Unentschieden." Damit Ruhe herrscht. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.9. 2008)

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    Der Weiße Vater und seine Jungschar.

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