"Wiener Bezirkszeitung": Verkauf bezweifelt

2. September 2008, 17:15
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Die Post könnte die Mehrheit doch behalten - Die Tiroler Moser Holding gilt als Bestbieter.

In den nächsten Tagen könnte sich die weitere Zukunft des Gratis-Wochenblattes "Wiener Bezirkszeitung" entscheiden. Haupteigentümer ist die feibra GmbH, ein Tochterunternehmen der Österreichischen Post, die ihre Beteiligung von 74,9 auf 25,1 Prozent reduzieren will. Dem Vernehmen nach überlegt das Unternehmen nun aber doch auch wieder, die Zeitung in eigener Hand zu behalten. Spekulationen, wonach sich SPÖ-Chef Werner Faymann in der Causa für die Mediaprint stark gemacht haben soll, werden unterdessen dementiert.

Moser Holding und Mediaprint im Rennen

Zuletzt zeigten sowohl die Tiroler Moser Holding ("Tiroler Tageszeitung"), die das Blatt gemeinsam mit der Styria Medien AG ("Kleine Zeitung", "Die Presse") betreiben will, als auch die Mediaprint ("Kronen Zeitung", "Kurier") Interesse an der regionalen Gratis-Wochenzeitung. Die Mediaprint soll dem Vernehmen nach aber bereits eine mündliche Absage erhalten haben, und auch "Heute"-Geschäftsführerin Eva Dichand, die mit ihrem Verlag ebenfalls ein Angebot gelegt hat, dürfte aus dem Rennen sein.

Das beste Angebot soll von der Moser Holding gekommen sein, heißt es weiter. Das Tiroler Medienhaus wartet derzeit auf die Zustimmung des Kartellamts zum Joint Venture mit der Styria Medien AG für den Bereich Gratis-Wochenzeitungen. Geben die Wettbewerbshüter grünes Licht, was noch nicht sicher ist, wollen die Medienhäuser in Wien mit einem gemeinsamen Gratistitel präsent sein.

Neugründung einer Gratiszeitung

Styria-Vorstandschef Horst Pirker bevorzugt den Kauf eines "etablierten Titels". Der Vorstandsvorsitzende der Moser Holding, Hermann Petz, hatte indes bereits durchklingen lassen, dass auch die Neugründung einer Gratiszeitung infrage komme, sollte das Mediengespann nicht den Zuschlag für die "Bezirkszeitung" bekommen.

Die verstärkte Präsenz von Moser Holding und Styria in der Bundeshauptstadt liegt naturgemäß nicht im Interesse des Wiener Marktführers Mediaprint, der in Wien unter anderem die kostenlosen "Bezirksjournale" herausgibt. Spekulationen gibt es in diesem Zusammenhang darüber, dass das der Familie Dichand gehörende Medienhaus im Kampf um die "Bezirkszeitung" in SPÖ-Chef Werner Faymann einen Verbündeten gefunden hat. Branchenkenner werteten die jüngsten, überraschenden Angriffe Faymanns gegen den der SPÖ nahe stehenden Post-Chef Anton Wais als mögliches Druckmittel und versuchte Einflussnahme in den Verkaufsprozess der "Bezirkszeitung".

"Absurder Vorwurf"

Faymann-Sprecherin Angelika Feigl wies diese Spekulationen zurück. "Das ist ein absolut absurder Vorwurf", sagte sie zur APA. Post-Pressesprecher Michael Homola sagte auf APA-Anfrage: "Wir äußern uns zum Thema 'Bezirkszeitung' derzeit nicht näher."

Das Post-Tochterunternehmen feibra Österreich hatte im Jahr 2006 hundert Prozent am Mader Verlag übernommen, der der Herausgeber der "Wiener Bezirkszeitung" ist. In weiterer Folge wurden 25 Prozent des Verlages an die Partnergesellschaft STP Media GmbH abgetreten. Das Unternehmen STP Media steht im Eigentum von Otto Steixner, dem ehemaligen Miteigentümer des Print-Verlages. Die Wiener Bezirkszeitung selbst wurde im Jahr 1984 gegründet und erscheint zweiwöchentlich in 23 Bezirksausgaben. (APA)

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