Nachlese: "Wir sind noch nicht aus dem Schneider"

2. September 2008, 17:06
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Der Hurrikan Gustav ist vorbei, ausgestanden ist er noch nicht ganz - Zwangsevakuierung wurde verlängert, dem Bürgermeister von New Orleans werfen manche Panikmache vor

"Wir sind noch nicht aus dem Schneider, aber wir sind nahe dran", sagt Ray Nagin, der Bürgermeister von New Orleans. Zurückkehren können die meisten der zwei Millionen Menschen, die von Texas bis Alabama von der Golfküste vor Hurrikan „Gustav" geflohen sind, am Dienstag noch nicht. Der Gouverneur des US-Bundesstaates Louisiana, Bobby Jindal, verlängerte die Order zur Zwangsevakuierung um einen Tag. An Straßensperren wiesen Polizei und Nationalgarde jeden zurück, der heimfahren wollte.

Mit seinem Zentrum zog „Gustav" rund 100 Kilometer westlich an New Orleans vorbei. In der Stadt selbst hielten die Levees, die Uferdämme. Zwar schwappte das Wasser am Industrial Canal, der den Lake Pontchartrain mit dem Mississippi verbindet, bedrohlich über die Betonkanten der Schutzwälle und setzte Teile der Wohngebiete rund 15 Zentimeter unter Wasser. Aber Breschen schlug „Gustav" nicht in die Verteidigungslinie.

Sieben Menschen sind durch den Hurrikan direkt oder indirekt getötet

Mindestens sieben Menschen sind durch den Hurrikan direkt oder indirekt getötet worden. Eine vierköpfige Familie, die im Auto aus der Sturmzone raste, starb bei einem Verkehrsunfall. Ein Ehepaar, das Zuflucht im Haus seiner Tochter gesucht hatte, wurde getötet, als ein Baum auf das Haus fiel. Ein 27-jähriger Mann wurde in Lafayette von einem herabstürzenden Ast erschlagen. Die mehr als 30 Österreicher, die sich im Krisengebiet aufhielten, sind nach Angaben des Außenministeriums unverletzt geblieben.

Als Krisenfall galt nach wie vor Braithwaite, ein südlich von New Orleans am Mississippi gelegenes Dorf. Dort drohte der Fluss über die Uferdämme zu treten und rund 400 der ortstypischen Bungalows zu überschwemmen.

Kritik

Dennoch meldeten sich erste kritische Stimmen zu Wort, um dem Bürgermeister von New Orleans Panikmache vorzuwerfen. Nagin hatte in drastischen Worten vor „Gustav" („Mutter aller Stürme") gewarnt. „Ich würde alles noch einmal so machen", wischte er die Einwände beiseite. Es sei richtig gewesen, sich auf das Schlimmste gefasst zu machen.

US-Präsident George W. Bush wiederum lobte die Koordination zwischen den lokalen Behörden und denen des Bundes in Washington. Eine Blamage wie nach „Katrina", als er inkompetent und anfangs fast desinteressiert wirkte, wollte er nicht noch einmal riskieren. (Frank Herrmann aus Alexandria, DER STANDARD; Printausgabe, 2.9.2008)

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    An manchen Dämmen wird noch mit Sandsäcken um jeden Zentimeter weniger Wasser gerungen. Bis zu 15 Zentimeter beträgt der Pegel in Teilen von New Orleans.

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    Die Nationalgarde soll vor Plünderungen schützen - und Heimkehrwillige aufhalten.

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