"Kranke Zellen in den Zelltod treiben"

2. September 2008, 16:53
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Die Sommerbilanz: Wieder ein Sonnenbrand mehr und wieder ein dunkler Fleck auf der Haut - Was das bedeutet erklärt der Dermatologe Steinkraus im Interview

derStandard.at: Kann sich die Haut von einem Badeurlaub gut erholen, also regenerieren?

Steinkraus: Wenn man von der Regeneration der Haut spricht, dann setzt das voraus, dass es einen Schaden gegeben hat. Man kann in der Tat davon ausgehen, dass innerhalb eines Sommers, im Zuge eines Lebens und natürlich zusätzlich mit dem zunehmenden Alter ein Schaden in der Haut entsteht, der langsam zunimmt, kumuliert.

derStandard.at: Welche Schäden sind das?

Steinkraus: Man muss unterscheiden zwischen akuten Schäden und chronischen Schäden. Der akute Sonnenschaden ist der Sonnenbrand. Der chronische Schaden kann ein chronischer Lichtschaden sein, mit einer vorzeitigen Hautalterung mit Festigkeitsverlust und Faltenbildung. Und auf der anderen Seite kann schwarzer und weißer Hautkrebs entstehen.

derStandard.at: Es wird immer wieder gesagt, die Haut habe ein "Gedächtnis" und würde Schädigungen speichern. Was ist damit gemeint?

Steinkraus: Im Laufe eines Lebens entstehen Hautschäden, weil Umwelteinflüsse das Organ in der Regel angreifen. Die Haut bemüht sich natürlich, diese Schäden zu beseitigen, indem kranke Zellen in den selektiven Zelltod getrieben werden, das nennt man Apoptose. Oder sie werden repariert, indem ein geschädigtes Fragment enzymanisch ausgeschnitten wird und durch ein neues, gesundes Fragment ersetzt wird. Das heißt der Organismus ist bemüht Schäden zu reparieren.

Das gelingt aber nicht immer. Gelingt es nicht, verbleibt die geschädigte Zelle in der Haut und kann von den gesunden benachbarten Zellen Jahrzehnte in Schach gehalten werden. Oder sie teilt sich und Krebs entsteht.

derStandard.at: Welche sichtbaren Folgen können nach einem sonnenreichen Urlaub akut auftreten?

Steinkraus: Pigmentverschiebungen der Haut,  von einfachen Sonnenflecken bis zu Pigmentstörungen durch Nahrungsergänzungen, Arzneimittel oder Parfumflecken. Austrocknung und kleine Fältchenbildungen sind möglich, auch Verhornungsstörungen.

derStandard.at: Was kann man dagegen unternehmen?

Steinkraus: Lichtschutzblocker helfen, dass Pigmentstörungen weiter zunehmen. Aufhellende Cremen helfen das Hautbild ebenmäßiger zu halten. Es besteht auch die Möglichkeit bleibende Flecken zu lasern. Entweder mit dem Neodym Laser oder dem so genannten Bin Laser. Das sind Laser, die von den Melaninpigmenten absorbiert werden und das Pigment zerstören. Diese werden dann langsam über das Blutsystem abgebaut. Das heißt man kann sie gut behandeln und durch Schutzmaßnahmen auch gut verhindern.

Bei Verhornungen helfen spezielle Bestrahlungstechniken und Salben die das Immunsystem aktivieren. Es gibt auch eine mechanische Beseitigung mit einem löffelförmigen Messer.

derStandard.at: Diese Maßnahmen klingen wie optische Korrekturen. Wird damit auch die Haut von Ihren Schäden befreit?

Steinkraus: Ob Strukturveränderungen in der Haut tatsächlich stattfinden, das wissen wir noch nicht genau. Es ist aber davon auszugehen, dass mit der optischen Beseitigung der tatsächliche Defekt nicht zur Gänze beseitigt wurde. Das ist denkbar.

derStandard.at: Kann auch eine falsche Hautpflege ein schädigender Umwelteinfluss, so wie Sonne oder Wind darstellen?

Steinkraus: Absolut. Besonders eine falsche Hautreinigung. Weil mit jedem Reinigungsvorgang auch die wertvollen Lipidstrukturen der Oberhaut entfernt werden können. Deshalb sage ich gerne: die beste Kosmetik macht sich die Haut selbst. Das heißt die Haut stellt für sich einen Hydrolipidfilm her, der die Oberfläche benetzt und auch die Barrierefunktion der Haut sicher stellt.

Bei einer falschen Reinigung kann die Haut in ein Defizit rutschen, wenn die Lipidstrukturen nicht so schnell nachgebildet werden, wie sie von außen geschädigt werden. Daraus kann tatsächlich ein manifester Hautschaden entstehen. (nia)

Zur Person
Volker Steinkraus ist Gründer des Dermatologikums Hamburg. Seit einigen Jahren gilt seine Aufmerksamkeit der Forschung.

So stellte er fest, dass eine optimierte Zellnährflüssigkeit, die es den Zellen ermöglicht, sich aus eigener Kraft zu versorgen, reinem Wasser hoch überlegen ist. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte er die erste Kosmetik, die es der Haut erlaubt, sich selbst optimal zu regenerieren.

  • Volker Steinkraus: "Die beste Kosmetik macht sich die Haut selbst."
    foto: sbt

    Volker Steinkraus: "Die beste Kosmetik macht sich die Haut selbst."

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