Mozilla hat keine Angst vorm Google-Browser

2. September 2008, 16:20
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CEO Lilly: "Weiß nicht, wie es uns beeinflussen wird - 85 Prozent der Mozilla-Einnahmen stammen aus Deal mit Google

Für die Internetnutzer bedeutet Googles Eintritt in den Browser-Markt eine zusätzliche Wahlmöglichkeit bei der bevorzugten Software für den Webzugang. Für Microsoft, Mozilla und Co bedeutet es einen weiteren Kontrahenten im Browser-Krieg. Noch gibt man sich beim Mitbewerb gelassen.

Mission: Web verbessern

Mozilla CEO John Lilly sieht im Gespräch mit Blogger Om Malik keinen Anlass zur Panik. Es sei nicht überraschend, dass Google einen Browser entwickelt hat. Das Unternehmen investiere in viele Bereiche, die sein Kerngeschäft berühren, beispielsweise Server oder Energie. Mozilla könne sich allerdings ausschließlich auf Firefox konzentrieren, während es für Microsoft, Apple und nun eben auch Google nur ein Teil des Geschäfts sei. Mozillas einzige Mission sei, das Web zu verbessern, gibt sich Lilly gelassen.

Finanz-Deal

Ein paar Unsicherheiten lässt der Mozilla CEO aber doch erkennen, wenn er zugibt, dass er nicht wisse, wie sich Googles Chrome auf Mozilla auswirken werde. Und das ist nicht weiter verwunderlich, dann immerhin stammen rund 85 Prozent der Einnahmen des Browser-Entwicklers aus einem Finanzdeal mit Google. Vor kurzem wurde das Übereinkommen bis 2011 verlängert.

Zukunft offen

In einem Interview mit Wired hatte sich Lilly Ende Juli zuversichtlich gezeigt, dass diese Partnerschaft solange gut verlaufen werde, solange Mozilla etwas entwickle, das die Nutzer anspreche (der WebStandard berichtete). Ob Google die Partnerschaft mit Mozilla auch über 2011 hinaus aufrecht erhalten will, wenn Firefox und Chrome im selben Teich fischen, ist allerdings fraglich. Ebenso offen wäre dann Mozillas Zukunft ohne die finanzielle Unterstützung des Suchmaschinengiganten.

Harter Markt

Google wird sich jedenfalls anstrengen müssen, um im hart umkämpften Browser-Markt, der nach wie vor von Microsofts Internet Explorer dominiert wird, reüssieren zu können. Die Unternehmen, denen Google Nutzer mit seinem Browser vom Reißbrett abspenstig machen will, feilen immerhin schon seit Jahren an neuen Features. Google hat in der Vergangenheit zudem schon einige Produkte mit viel medialem Wirbel angekündigt, die nach und nach wieder in der Versenkung verschwunden und nie über das Beta-Stadium hinausgekommen sind. 

Nach einigen mageren Jahren sind die Browser-Kämpfe mit dem herannahenden Internet Explorer 8, dem kürzlich veröffentlichten Firefox 3, Apples Windows-Version von Safari und nun dem Google-Browser jedenfalls wieder voll entbrannt. (br)

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    Mozillas CEO John Lilly sieht im Google-Browser noch keine Gefahr für Firefox

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