Konjunkturflaute bremst Exporte

2. September 2008, 14:31
posten

Die österreichischen Exporte werden heuer weniger stark wachsen als bisher angenommen, die WKÖ korrigiert den Zuwachs von acht auf fünf Prozent nach

Wien - Die österreichischen Exporte werden heuer weniger stark wachsen als bisher angenommen. Die Außenhandelsorganisation (AWO) der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat ihre Export-Prognose von 8 auf 5 Prozent für 2008 zurückgeschraubt. Die Gründe dafür liegen vor allem in der Konjunkturflaute bei allen wichtigen Handelspartnern. Aber auch der starke Euro, die hohen Zinsen in Europa sowie die hohen Energie- und Rohstoffkosten bremsen die Nachfrage nach Produkten aus Österreich.

"Das 'Running horse' Export wechselt vom Galopp in den Trab," sagte dazu WKÖ-Präsident Christoph Leitl. Das Exportwachstum Österreichs liege mit 5 Prozent aber noch immer doppelt so hoch wie das BIP-Wachstum Österreichs, das heuer knapp über 2 Prozent erreichen dürfte, hieß es.

Konkret erwartet die AWO für 2008 eine Zunahme der Exporte um 5 Prozent auf 120,4 Mrd. Euro. Die Importe sollen um 5,5 Prozent auf 120,5 Mrd. Euro steigen. Damit werde eine ausgeglichene Handelsbilanz für 2008 (+/- 100 Mio. Euro) erwartet.

Exportwachstumsprogramm

"Die Zeiten der tollen Wachstumsraten sind vorbei. Wir spüren Gegenwind und müssen unser Tempo erhöhen". Die AWO starte daher noch 2008 ein Exportwachstumsprogramm, das Förderungen speziell in Regionen mit kräftiger Konjunktur sowie für wichtige Branchen forciere. Im Zuge dessen werde die Zahl der Veranstaltungen in Ländern der Regionen Osteuropa, Südosteruopa, GUS, Nahost, Südostasien und Emerging Markets noch heuer und im nächsten Jahr um 20 Prozent aufgestockt.

"Die österreichischen Firmen müssen noch stärker in Länder gehen, wo die Wirtschaft viel stärker wächst als in Österreich", sagte Leitl. Um den Unternehmen auch weiterhin die nötige Unterstützung zusichern zu können, forderte der WKÖ-Präsident von der Regierung schon jetzt eine Zusage für die Finanzierung der Internationalisierungsoffensive für 2009 in Höhe von 25 Mio. Euro, "weil wir jetzt planen müssen". Diese Mittel entsprechen weniger als 1 Prozent von dem, was der Außenhandel zur heimischen Volkswirtschaft beitrage, betonte Leitl: "1 Prozent Einsatz, 100 Prozent Leistung".

Schwierige Außenhandelssituation

AWO-Chef Walter Koren veranschaulicht anhand von konkreten Zahlen die derzeit schwierige Außenhandelssituation. So sind die heimischen Exporte nach Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner, von Jänner bis Mai 2008 um nur 3 Prozent gestiegen, in die "Konjunktur-Lokomotive" USA lag das Plus bei unterdurchschnittlichen 2,2 Prozent. Mit einem Anziehen der US-Konjunktur rechnet man in der AWO erst im zweiten Halbjahr 2009.

Dagegen sind die Exporte Österreichs nach Russland in den ersten fünf Monaten 2008 um 21 Prozent und in die Ukraine um 27 Prozent gestiegen, nannte Koren Beispiele für heimische "Exportpotenziale".

Neben diesen "Hoffnungsregionen" setze die AWO in ihrem Veranstaltungsprogramm auch verstärkt auf sogenannte Emerging Markets sowie die Entwicklungszusammenarbeit und die Kooperation mit international Entwicklungs- und Förderbanken.

Die Exporteinbußen für Österreich aufgrund des starken Euro bezifferte Koren mit 3 bis 4 Mrd. Euro im Jahr 2008. Im kommenden Jahr werde sich die Lage durch die Konjunkturschwäche in den Hauptabnehmerländern weiter "akzentuieren", weshalb 2009 mit weiteren 2 bis 3 Mrd. Euro an Exporteinbußen zu rechnen sei. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vom Galopp in den Trab: Das Exportwachstum erlahmt

Share if you care.