SPÖ im Aufwind - ÖVP defensiv

2. September 2008, 12:40
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Meinungsforscher sind sich einig: Beutelmeyer sagt, ÖVP-Obmann-Wechsel wäre sehr gefährlich - Hajek und Filzmaier sehen Positivere Stimmung für SPÖ

Wien - Die SPÖ befindet sich dreieinhalb Wochen vor den Nationalratswahlen im Aufwind, die ÖVP agiert eher defensiv. In diesem Urteil sind sich die Meinungsforscher Werner Beutelmeyer, Peter Hajek und Peter Filzmaier einig. Auch was die Entwicklung von FPÖ und BZÖ betrifft, ist der Befund ziemlich gleichlautend: Die FPÖ ist auf hohem Niveau gegenüber den vergangenen Wahlen stabil und das BZÖ profitiert vom Spitzenkandidaten Jörg Haider und zeigt tendenziell ebenfalls nach oben. Den Grünen wird eher ein Stillstand attestiert, und die Kleinparteien hätten gegenüber ihren relativ guten Anfangsumfragen in der letzten Woche doch deutlich verloren.

"Schlacht für die ÖVP noch nicht verloren"

Angesprochen auf die innerhalb der ÖVP aufkeimende unterschwellige Obmann-Debatte sind sich die Meinungsforscher einig. Ein Obmann-Wechsel wäre absurd und zu spät. Beutelmeyer vom market-Institut erklärte gegenüber der APA am Dienstag, eine ÖVP-Obmann-Debatte wäre "sehr gefährlich" und würde "nichts bringen". Die ÖVP habe sich für Molterer entschieden, "wohl wissend, dass er beachtliche Schwächen hat, im emotionalen Bereich, im Sympathiebereich". Allerdings habe der Wahlkampf noch einiges in petto. Die "ÖVP wird noch einmal kräftig Gas geben, ich glaube nicht, dass die Schlacht für die Volkspartei schon verloren ist". Jedenfalls habe die "SPÖ letzte Woche an Fahrt gewonnen und nachhaltig die ÖVP überholt". Es gebe einen "Vorwärtstrend in der SPÖ und in der ÖVP scheint die Tendenz da zu sein, die noch weiter nach unten weist". Die ÖVP müsse "sehr dynamisch werden", um das aufzuholen. Allerdings tue die personenbezogene Auseinandersetzung gegen SPÖ-Spitzenkandidat Werner Faymann der ÖVP "sehr weh". Auch die Halbierung der Mehrwertsteuer, wie die SPÖ das propagiere, sei "ein Superthema" für die Sozialdemokraten.

"Positivere Stimmung" für SPÖ

Hajek von der Public Opinion Strategies GmbH ortete eine "positivere Stimmung" für die SPÖ. Allerdings sei in den nächsten dreieinhalb Wochen noch alles drin. Vorteile für die SPÖ gebe es auch bei den Teuerungsthemen. Die ÖVP wiederum habe mit ihrem einkommensabhängigen Kinderbetreuungsgeld einen Strategiewechsel vollzogen. "Die Frage ist, ob sie das durchhalten. Sie können nicht heute so und morgen so sagen. Wenn man morgen sagt, das Budget muss wieder konsolidiert werden, ist das hinfällig". Was die Obmann-Debatte betrifft, warnte Hajek vor einem kurzfristigen Wechsel. "Das wäre absurd und würde nichts bringen und nur den Zick-Zack-Kurs der ÖVP belegen". Vielmehr gelte es darum, die Stärken Molterers hervorzuheben, das sind Handschlagqualität, Verantwortung für das Land und Glaubwürdigkeit". Auf der anderen Seite gebe es aber mit Faymann einen "durchaus telegenen Politiker, der wahrscheinlich die Menschen besser anspricht". Molterer dagegen klinge "sehr buchhalterisch".

Beginn des Intensivwahlkampfs

Filzmaier von der Donau-Uni attestierte ebenfalls der SPÖ eine positivere Eigendynamik. Im Juni bei Auflösung der Koalition habe die ÖVP dieses Momentum gehabt, also das Gesetz des Handelns. "Das ist jetzt zur SPÖ gewandert". Das Gesetz des Handelns hätten auch FPÖ und BZÖ, bei den Grünen sei dieser Punkt eher gering ausgeprägt. Allerdings stehe man erst am Beginn des Intensivwahlkampfs. Dabei könne sich die Dynamik noch mehrfach verlagern. Zur ÖVP-Obman-Debatte merkte Filzmaier an, dies sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht machbar. "Das wäre bei der Neuwahlentscheidung möglich gewesen, nicht jetzt, nachdem die Serie der TV-Konfrontationen schon begonnen hat". Interessant sei, dass die ÖVP diesmal die Strategieentscheidung für einen Themenwahlkampf getroffen habe, während die SPÖ einen extremen Personenwahlkampf führe. 2006 sei es genau umgekehrt gewesen, damals habe es für die ÖVP einen Schüssel-Wahlkampf gegeben, die SPÖ unter Alfred Gusenbauer habe auf einen Themenwahlkampf gesetzt. Aber Rückschlüsse - damals siegte überraschend die SPÖ vor der ÖVP - lässt Filzmaier nicht zu: "Wenn das jemand behauptet, der schwindelt". (APA)

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    SPÖ steigt in den Umfragen auf.

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