Sarah Palin, McCains Spiel mit dem Feuer

2. September 2008, 12:26
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Die Vorzeige-Konser­vative geht in Alaska auf die Jagd, ist Gouverneurin und hat fünf Kinder. Fünf? Eine eventuell vorgetäuschte Schwanger­­schaft könnte zum Super-Gau für die Republikaner werden

Der Jubel hätte lauter nicht sein können: Die repuplikanische Basis umschwärmt John Mc Cains Vizekandidatin. Sarah Palin ist religiös, stramm konservativ, strikte Abtreibungsgegnerin und Mitglied der Waffenlobby NRA auf Lebenszeit. Nach Bekanntgabe ihrer Nominierung bricht eine wahre Spendenflut von rund sieben Millionen Dollar über das Wahlkampfteam der Republikaner herein.

Während die - bislang nur wenigen bekannte - Gouverneurin und Fünffach-Super-Mama den Wahlkampf aufwirbelt, tobt Hurrikan "Gustav" und stellt die Präsidentschaftskandidaten vor neue Herausforderungen. Zu frisch sind die Erinnerungen an die schleppend anlaufenden Hilfsaktionen 2005, als "Katrina" große Teile von New Orleans wegspülte. Präsident George W. Bush und sein potenzieller Nachfolger McCain versuchen, sich beim drastisch gekürzten Parteitag der Republikaner als besorgte Krisenmanager zu profilieren, doch abermals stiehlt ihnen Palin die Show - besser gesagt ihre minderjährige, unverheiratete Tochter Bristol: Die 17-Jährige erwartet ein Kind. So weit, so stürmisch.

Eigentlich wäre dies keine Meldung wert - pikant ist die Angelegenheit dennoch, hat sich Palin doch einen Namen als Vertreterin traditioneller Familienwerte gemacht. Die 44-Jährige lehnt Sexualaufklärung ab und befürwortet Programme, die die sexuelle Enthaltsamkeit von Teenagern fördern. Doch das Ehepaar Palin macht die Schwangerschaft ihrer Tochter erst öffentlich, nachdem Gerüchte auftauchen, dass das jüngste Kind der Gouverneurin in Wahrheit Bristols Sohn sei. Oma statt Mama also? Niemals, bei dieser erzkonservativen Frau.

Die Sache wäre doch relativ leicht zu klären, wozu gibt es entsprechende Dokumente? Doch Halt: "Mutter" Palin legt nie welche vor, sie verblüfft lediglich einen Monat vor der angeblichen Geburt ihre Mitarbeiter mit der Neuigkeit, schwanger zu sein. Und die Frau ist hart im Nehmen: Selbst als die Wehen einen Monat früher als erwartet einsetzen, reist sie von Texas in ein Kaff nach Alsaka, um dort zu entbinden.

Nach dieser Ansammlung von Kuriositäten könnte sich die Nominierung Sarah Palins für John McCain als Schuss nach hinten erweisen. Die Wahl der Frau, die aus der Kälte kam, wird nun zum Spiel mit dem Feuer  (Sigrid Schamall, derStandard.at, 2.9.2008)

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    McCain verblüffte mit einer Frau als Vize-Präsidentschaftskandidatin, nun verblüfft Sarah Palin.

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