Bespitzelungsposse - Der zweite Teil

2. September 2008, 15:11
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Nachdem bwin einge­räumt hatte, einen Kritiker und dessen Kontakte zu Casinos Austria "überprüft" zu haben, fühlt sich der Sportwettenanbieter nun auch selbst bespitzelt

Wien - Die Spitzelaffäre rund um den börsenotierten Sportwettenanbieter bwin geht in die nächste Runde. Nachdem bwin gestern, Montag, nach einem entsprechenden "profil"-Bericht eingeräumt hatte, einen ihr unliebsamen Kritiker und dessen Kontakte zur Casinos Austria "überprüft" zu haben, geht bwin nun in die Gegenoffensive. Demnach soll auch der bwin-Vorstand vom Mitbewerb bespitzelt worden sein. Dass dies durch die Casinos Austria erfolgt sei, wollte bwin-Sprecher Kevin O'Neal nicht ausschließen, nun sei die Justiz gefragt. Einmal mehr wurde betont, dass der Prüfauftrag von bwin an den ehemaligen "Cobra"-Chef Wolfgang Bachler nichts ungesetzliches enthielt.

Laut dem aktuellen "profil" lief die Bespitzelungsaktion von bwin gegen einen Kritiker der Geschäftsmethoden des Wettanbieters unter dem Decknamen "Operation Sigma". Dem Bericht zufolge gelte es als offenes Geheimnis, dass der niederösterreichische Kontrahent im Auftrag der Casinos-Austria-Gruppe tätig wäre. Dieser hat das stets entschieden zurückgewiesen. Die Aktivitäten im Umfeld des Ex-"Cobra"-Chefs hatten mittlerweile auch das Büro für Interne Angelegenheiten (BIA), das im Innenministerium angesiedelt ist, auf den Plan gerufen, berichtete das "profil". Bei einer Einvernahme durch die BIA sagte ein von Bachler beauftragter Detektiv demnach: "Der Auftrag lautete zu 'schauen, wo Schmidt wohnt und was er so macht'."

GZ 85.700/974-BIA/07

Das BIA hat über Monate hinweg ermittelt und am 16. Juli 2008 seinen Abschlussbericht unter der Aktenzahl GZ 85.700/974-BIA/07 an die Staatsanwaltschaft St. Pölten übermittelt. Darin wird "Angestellten der Firma Bachler" Verleumdung und Verletzung des Telekommunikationsgesetzes vorgeworfen. Laut "profil" hieß es in einem "Executive Summary" der "Detektive", dass es nützlich sei, etwa ein Foto des Niederösterreichers zu machen, "am besten mit Nutte". Was bwin mit den Ermittlungsergebnissen gemacht hätte, ließ das Unternehmen bisher unbeantwortet. Wolfgang Bachler betonte, dass er selbst in keine der genannten Aktivitäten direkt involviert gewesen sei. Er führe selbst keine derartigen Recherchen durch, sondern kaufe sie von Subunternehmen an.

Dem Verfahren in St. Pölten haben sich die Casinos Austria als Privatbeteiligte angeschlossen. Auch bwin schließe sich als Privatbeteiligte dem Verfahren an, so der Unternehmenssprecher heute, Dienstag. Schließlich sei man selber auch betroffen, weil der bwin-Vorstand ja offenbar auch bespitzelt worden sei. Erst dann habe man den Auftrag an Bachler erteilt, zu sehen "was da läuft". Es gehe in dem Verfahren um "Ermittlungen in alle Richtungen".

Dementi

Die Casinos Austria haben die von bwin in den Raum gestellte Vorwürfe zurückgewiesen, die Casinos hätten ihrerseits den bwin-Vorstand bespitzeln lassen. "Das ist eine absurde Unterstellung, die wir zurückweisen, das disqualifiziert sich selbst", erklärte Casinos Austria-Sprecher Martin Himmelbauer am Dienstag. "Wir sind mutmaßliches Opfer, nicht Täter". (APA)

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    bwin läutet die zweite Runde in der Bespitzelungsaffäre ein und treibt das lustige "wer hat wen überprüft"-Spiel weiter.

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