"Ich war schon immer ein politischer Mensch"

2. September 2008, 12:07
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Wider die grassierende Politikverdrossenheit: Ex-Volksoperndirektor Rudolf Berger begründet sein Antreten für das Liberale Forum

Wien - "Ich war schon immer ein politischer Mensch", sagt Rudolf Berger und verweist auf die zahlreichen politischen Titel in den Bücherregalen seines vor einem Jahr bezogenen Büros in unmittelbarer Belvedere-Nähe, in denen sich politikwissenschaftliche Basisliteratur ebenso findet wie die Kreisky-Memoiren, "Der Anruf von Heide Schmidt kam einfach zum richtigen Moment." Der ehemalige Volksopern-Direktor, der seit Herbst 2007 Miteigentümer eines Consulting-Unternehmens für den Musikbereich ist, tritt für das Liberale Forum (LIF) als Spitzenkandidat in Niederösterreich an und wird auch als Bundessprecher für Kunst, Kultur, Kommunikation und Umwelt fungieren.

"Von vielen ernst zu nehmenden Leuten habe ich gehört: Wir gehen diesmal nicht zur Wahl. Diese Politikverdrossenheit spielt aber den Extremen in die Hände. Wenn ich einen kleinen Teil dagegen beitragen kann, sehe ich es als meine Pflicht an, etwas zu tun. Es ist nicht der Ex-Operndirektor, dem fad ist, sondern der Staatsbürger, der jetzt aktiv geworden ist", begründet der in Wien lebende gebürtige Schweizer seinen kurz entschlossenen Einstieg in die Politik.

"Ich bin kein Träumer"

Berger glaubt nicht, dass sich die ihm von vielen prophezeite rasche Ernüchterung einstellen werde: "Ich bin kein Träumer und war schon als Operndirektor so nahe an der Politik, dass ich mitgekriegt habe, wie das so ist. Ich schreck' mich nicht davor. Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass mich die Reaktion vieler Menschen schon ein wenig verstört, die sagen: 'Du bist ja ein recht netter Mensch. Warum machst du jetzt Politik?' Momentan macht es mir jedoch viel Freude. Ich lerne stündlich dazu."

Während der Kulturmanager als Umweltsprecher noch eher vage Vorstellungen vertritt ("Umwelt ist wie Kultur ein großer Faktor für das Land und seine Wirtschaft, denken Sie nur an den sanften Tourismus."), will er zur Kulturpolitik bereits in den nächsten Tagen eine konkretes Positionspapier des LIF vorlegen. "Institutionen und freie Künstler dürfen nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden", sagt Berger und verweist auf den Handlungsbedarf, den die neue Studie zur sozialen Lage der heimischen Künstler signalisiere. Es brauche ein klareres Unterstützungssystem mit mehr Rechtssicherheit und weniger direkter Staatsnähe, sagt der Neo-Politiker und verweist auf Vorbilder in Großbritannien, Kanada oder den Benelux-Ländern.

"Auf der anderen Seite müssen endlich steuerliche Anreize für private Kunstförderung geschaffen werden. Bisher ist das meiste nicht Sponsoring oder Mäzenatentum, sondern dient als Marketingaktivität. Das führt dazu, dass schließlich Kunstförderung in die Nähe von Korruption gerückt wird. So kann's nicht enden!" Die Kunstförderung sei zu wenig zukunftsorientiert, die GesmbH für ausgliederte Institutionen die falsche Rechtsform, weiß Berger aus der eigenen Volksopern-Erfahrung und schildert positive Beispiele aus Frankreich und Portugal.

Kultur keine "Chefsache"

Viele Ideen also, und Gelegenheit, doch noch einen tagespolitischen Kommentar in Richtung des ÖVP-Obmanns loszuwerden, der Kulturpolitik neuerlich zur Chefsache machen möchte: "Ich halte es für völlig falsch, Kulturpolitik im Bundeskanzleramt zu machen. Erstens muss der Kanzler der oberste Sparmeister sein, zweitens hat er nicht genug Zeit dafür." Ein Zeitproblem bekommt auch Rudolf Berger, der neben der Führung seines Unternehmens, in dem gerade einige internationale Großprojekte vorbereitet werden, zum Wahlkämpfer wird: "Es werden vier, fünf intensive Wochen!"

Dass sich das LIF bei der Nationalratswahl 2002 in Niederösterreich mit 0,8 Prozent begnügen musste, schreckt Berger nicht: "Ich glaube fest daran, dass wir es diesmal schaffen." (APA)

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    Rudolf Berger über sein neues Aufgabengebiet: "Ich schreck' mich nicht davor."

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